von unserem Mitarbeiter Markus häggberg

Lichtenfels — Am Amtsgericht wurde erneut der Fall eines jungen Mannes behandelt, dem das Gericht unter Vorsitz von Richter Armin Wagner bescheinigte, einfach noch nicht erwachsen zu sein. Eben darum sollte in einem Prozess um vorsätzliche Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs noch einmal Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen. Bedient schien der 19-jährige Staffelsteiner Angeklagte nach dem Urteilsspruch dennoch zu sein.
Zwölf Monate (insgesamt 100 Stunden) lang soll sich der junge Mann, der sich derzeit in einer berufsfördernden Maßnahme befindet, unter Überwachung darin schulen lassen, wie man sich sozial zu verhalten hat und was Alkohol anrichtet. Zudem wird er eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro zu zahlen haben. Der Bitte des Angeklagten, ihm die Fahrerlaubnis wieder zu erteilen, kam Richter Wagner nicht nach.

Zeugin war nicht kooperativ

Was war geschehen? Im Grunde wurden zwei Verhandlungen geführt. In der ersten wie in der zweiten war es dieselbe Zeugin, die etwas dazu hätte sagen können. Das tat die 16-Jährige aber nicht. Eher missmutig gab die Schülerin aus Ebern knapp Antwort und provozierte damit auch Staatsanwalt Stephan Jäger. Am 19. April 2014 soll sie gegen 5 Uhr einem Vorfall beigewohnt haben, bei dem einem jungen Mann vom Angeklagten mehrfach ins Gesicht geschlagen wurde. Der Angeklagte sprach von einem Schlag, Richter Wagner sprach unter Anführung eines Beweisfotos, das das durch Schläge verunstaltete Opfer zeigte, anders: "So wie der aussieht, kann er Halloween ohne Maske gehen - da haben Sie ganz schön hingeklopft!" Mehrfach wohl.
Zu diesem Vorfall konnte oder mochte die Zeugin keinen Kommentar abgeben. Dabei ging es laut Angeklagtem um sie, denn den Schlägen sei ein Gespräch mit der 16-Jährigen vorausgegangen.
Nach ihren Worten sei es so gewesen, dass das Opfer ihr Hoffnungen auf eine Beziehung gemacht habe. Darüber habe man geredet, so der Angeklagte. Auf ihre schlechte Laune angesprochen, teilte die Halbwüchsige mit, sie ärgere sich auch deshalb, weil ein anderer Zeuge nicht zu dem Prozess erschienen sei. Armin Wagner stellte ihr frei, die Sache auch andersrum zu betrachten. Gegen den Anderen wird wegen Fernbleibens ein Bußgeld ergehen, ihr, der jungen Frau, bliebe das wegen ihrer Anwesenheit erspart.

Gleichgültigkei hielt an

Diese Erkenntnis hob die Laune der Frau aber nicht merklich, sie blieb bei ihrer zur Schau getragenen Gleichgültigkeit.
Die Tat selbst, das Aussteigen und Schlagen ins Gesicht, räumte der Angeklagte ein. Nun ging es um den zweiten Vorwurf, der sich um eine Trunkenheitsfahrt im vergangenen Mai drehte. Zwischen Ebern und Untermerzbach querte der Staffelsteiner gegen 2 Uhr, nach Verpassen einer Abbiegung, die Fahrbahn und erzeugte an seinem Pkw auf einer Anhöhe wirtschaftlichen Totalschaden.
Mit im Auto war die 16-Jährige. Mit 0,9 Promille saß der 19-Jährige am Steuer, den Grund für das Malheur sah er aber im Ausweichen vor einem plötzlich auf der Fahrbahn auftauchenden Tier.
Das habe die Zeugin auch gehört, versicherte diese. Gesehen habe sie es nicht, ihr Blick galt im entscheidenden Moment dem Handy.
"Noch auf dem Weg ins Leben", befinde sich der jugendliche Straftäter, so Wagner. Ja, er stelle sogar einen "typischen Fall" eines Menschen dar, der volljährig und mit Führerschein dennoch nicht erwachsen ist.