Jutta Behr-Groh

An einem Spätnachmittag im Mai rufen zwei junge Bamberger am Adenauerufer "Sieg Heil". Anscheinend aus Blödsinn und einer Bierlaune heraus: Einer ruft "Sieg", der andere "Heil". Das Ganze drei Mal und so laut, dass eine Polizeistreife auf der anderen Seite des Kanals aufmerksam wird.
Nun standen sie wegen des gemeinschaftlichen Verwendens von Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts. "Sind Sie ein Rechter?" wollte Martin Waschner, der vorsitzende Richter, von jedem der Angeklagten wissen. Beide verneinten.
"Wir haben halt Scheiß' gemacht", sagte der 19-jährige Sandro. "Es war einfach dumm", gab der drei Jahre ältere Oliver (Namen von der Redaktion geändert) im Rückblick zu.
Weil beide schon öfters "Scheiß" gebaut haben, ging es für das Jugendschöffengericht auch um die Frage, ob die Angeklagten noch einmal die Chance auf Bewährung verdienen. Sandro hat schon fünf Einträge im Bundeszentralregister, sein 22-jähriger Kumpel sieben. Was erschwerend hinzu kam: Beide standen im Mai unter Bewährung, hätten sich nichts zu schulden kommen lassen dürfen.
Dem Jüngeren gab das Jugendschöffengericht noch eine Chance, sich auf freiem Fuß zu bewähren. Es verhängte 13 Monate Jugendstrafe und setzte sie zur Bewährung aus. Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe hatte eine Lanze für den 19-Jährigen gebrochen: "Er ist ein Kindskopf, man kann es nicht anders sagen." Sandro ist seinem Bericht zufolge "eigentlich ein guter Kerl". Der Sozialpädagoge setzt durchaus noch Hoffnungen in ihn. So soll er sich bei seinem Job, den er kürzlich bekommen hat, recht gut anstellen. Der Chef sei zufrieden mit ihm und sei auch darüber informiert, dass Sandro wieder einmal vor Gericht steht.


Absolutes Alkoholverbot ignoriert

Oliver dagegen muss nach dem Willen des Jugendschöffengerichts die gegen ihn ausgesprochene Freiheitsstrafe von vier Monaten verbüßen. Für ihn gilt das Erwachsenenstrafrecht, weil er - im Unterschied zu Sandro - bei Tatbegehung im Mai volljährig war.
Eine der Bewährungsauflagen, die er im Mai hätte erfüllen müssen, war ein absolutes Alkoholverbot. Tatsächlich hatte der 22-Jährige mehrere Flaschen Bier, vielleicht fünf, intus, als er und sein Freund sich zu den verbotenen Rufen hinreißen ließ.
Aus den Akten ging laut Waschner hervor, dass der 22-Jährige mehrfach in der Bewährungszeit getrunken hat. So soll er einmal mit mehr als 3 Promille auf einem Mofa erwischt worden sein. Ein Problem mit Alkohol will Oliver gleichwohl nicht haben. Im Frühsommer hatte er im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes einen Job; zuletzt suchte nach einer "richtigen" Arbeit oder Ausbildung.