von unserer Mitarbeiterin Johanna Blum

Adelsdorf — Ortstermin in der Kläranlage: Am Mittwochabend trafen sich Vertreter der "Interessengemeinschaft Geruchsbelästigung" unter Führung ihres Sprechers Eckehard Götz mit Bürgermeister Karsten Fischkal (FW), Mitgliedern des Gemeinderates und der Verwaltung sowie einem Experten aus Erlangen, um die zum Teil penetrante, aber nur sporadisch auftretende Geruchsbelästigung durch die Kläranlage zu diskutieren.
Bei dem Rundgang durch die Kläranlage wurde als Hauptproblem das Schlamm-Stapel-Becken deutlich. Ralf Wegel schaltete die Anlage ein und nach kurzer Zeit stiegen Methan-Bläschen hoch. Der Gestank verschlimmerte sich und je nach Windrichtung kann er auch in Richtung Dorf ziehen. "Wir bemühen uns immer, die Wetterlage zu beachten und wir pressen den Schlamm möglichst nur, wenn die Windrichtung gut steht", so Klärmeister Markus Steger. "Aber manchmal klappt es halt nicht", entschuldigte er sich. Da es aber laut Interessengemeinschaft auch oft nach Knoblauch und Zwiebeln duftet, sollte die Gemeinde etwas gegen die Firma unternehmen, die für diese Geruchsbelästigung verantwortlich ist. Hier kam Prof. Jürgen Schatz, Leiter des Chemischen Instituts in Erlangen, zu Wort. "Abhilfe ist durch eine Vorbehandlung des Abwassers durch eine spezielle Filtrierung mit Aktivkohlefilter möglich", erklärte der Fachmann. "Somit wird ein Großteil der Gerüche gebunden, was preisgünstig ist, und dann würden die Gerüche erst im Faulprozess freigesetzt", fuhr er fort. Eigentlich sollte der Knoblauchgestank schon im Mai 2013 abgestellt werden. Aber dem sei leider nicht so. "Wir stehen mit der Firma im Kontakt und der Eigentümer ist selbst daran interessiert, das Problem bestmöglich zu lösen - was ich nicht bezweifle", so Fischkal.

Kosten: 2,3 Millionen Euro

"Wir müssen etwa 2,3 Millionen Euro in die Anlage investieren, wenn wir der Geruchsbelästigung Herr werden wollen", so Fischkal. Statt des Schlamm-Stapelbeckens ist ein Faulturm mit Hochlastfaulung geplant. Die Anlage könne aber erst in zwei Jahren realisiert werden. Das bei der Faulung entstehende Methangas wird dann zur Stromgewinnung genutzt.
Kämmerer Jakobs klärte gleich über die Finanzen auf: "Natürlich muss erst ein Kredit über die Gesamtsumme aufgenommen werden, der dann durch die laufenden Gebühren bedient wird." Es käme aber auch zu Kosteneinsparungen wie z.B. durch den Wegfall der Entsorgung des Klärschlammes. Eigener Strom würde erzeugt, was ungefähr 90 000 Euro ausmachen würde. Somit gäbe es wahrscheinlich auch keine Gebührenerhöhung.
Laut Fischkal könnte man auch eine Bürgerbeteiligung ins Auge fassen, wie es bei Windkrafträdern schon üblich ist. Eingespart würden auch die 135 000 Euro, die jedes Jahr durch die Entsorgung des Klärschlammes anfallen. Dass Klärschlamm aus anderen Orten der Umgebung auf Adelsdorfs Felder aufgetragen wird, kam auch zur Sprache. "Dies trägt natürlich auch zur Geruchsbelästigung bei", weiß Fischkal. Da sei rechtlich nichts zu machen. "Es geht hier um sehr viel Geld, stinkendes Gold", fügt er an. In Zukunft würden die Pachtverträge so umgewandelt, dass auf die Felder der Gemeinde keine Gülle mehr ausgebracht werden könne.
Hildegard und Manfred Fleßner, Mitglieder und Initiatoren der "Interessengemeinschaft Geruchsbelästigung", führten präzise Protokoll mit Zeitschiene. In einem halben Jahr trifft man sich wieder mit dem Bürgermeister und Vertretern der Gemeinde, um über das weitere Vorgehen informiert zu werden.

Fahrt zu Musterkläranlage

Der Chef der Geemindeverwaltung, Wolfgang Mößlein, gab bekannt, dass der Gemeinderat am 23./24. September eine Besichtigungsfahrt zu einer Musterkläranlage in Westerburg nahe Bonn plant. Hierzu seien auch zwei Vertreter aus der Bürgerinitiative eingeladen. Im November wird der Gemeinderat entscheiden, welche Firma den Zuschlag für den Faulturm erhält. In Zukunft, so Bürgermeister Fischkal, werde im Amtsblatt auch bekannt gegeben, wann der Klärschlamm gepresst wird und es somit zu Geruchsbelästigungen kommen kann.