von unserem Mitarbeiter 
Karl-Heinz Hofmann

Rothenkirchen — Die Marienkapelle am Böhm in Rothenkirchen ist seit fast drei Jahrhunderten ein Kleinod des Glaubens und begleitet Gläubige in allen Lebenslagen, in Freud und bei Leid. Als im Jahre 1908 ein Kapellen-Neubau errichtet wurde, fehlte eine Inneneinrichtung, aber auch Bauschulden waren noch vorhanden. Dies bewegte im Jahre 1914 einige Bürgerinnen und Bürger zur Gründung eines Kapellenverschönerungsvereins.
Eine kleine Festschrift mit Chronik wurde vom Rothenkirchener Gerhard Grebner verfasst. Er hat ein Nachschlagewerk für nachfolgende Generationen geschaffen. Sie wird vom Kapellenverschönerungsverein herausgegeben und ist am Festtag erhältlich. Texte darin wurden zum Teil wortwörtlich aus alten Protokollen entnommen.
Die Chronik reicht aber viel weiter zurück als zur Gründungsversammlung des Vereins am 18. Januar 1914, von der auch ein Auszug aus der in Handschrift angefertigten Original-Niederschrift abgedruckt ist. Begonnen hat die Geschichte einer kleinen Marienkapelle im Böhm schon im Jahre 1724. Hier entstand die erste Holzkapelle, eingerahmt von vier Linden. Die Kapelle wurde zu Ehren des Gnadenbildes "Maria Hilf" errichtet. Dieses Gnadenbild befindet sich heute in der Andachtskapelle der Pfarrkirche St. Bartholomäus. Es war früher eine Zeit lang in der Kapelle aufgestellt, wurde aber wieder in die Pfarrkirche zurückgebracht. Im Alter von 100 Jahren, im Jahr 1824, wurde erstmals die kleine Holzkapelle erneuert. Diese wurde aber 1908 erneut als baufällig festgestellt, und durch freiwillige Spenden war es möglich, eine neue Kapelle in Massivbauweise entstehen zu lassen.
Erst sechs Jahre später, am 18. Januar 1914, wurde dann ein Kapellenverschönerungsverein gegründet. Zehn Pfennig Mitgliedsbeitrag wurden in der Gründungsversammlung festgelegt. Der Verein erspielte am zweiten Osterfeiertag mit einem Theaterstück mit dem Titel "Wenn Du noch eine Mutter hast" einiges Geld in die Kasse. Schon Ende 1914 konnte ein Altar für 575 Mark angeschafft werden, der Maria, der Friedensgöttin, geweiht wurde.
Auch in den späteren Jahren sah der Verein im Theaterspielen eine gute Einnahmequelle. Man konnte sich 1922 sogar eine eigene Bühne kaufen und 1927 die Renovierung der Pfarrkirche mitfinanzieren.

1966 neu errichtet

Es folgten die dunklen Jahre der Nazi-Herrschaft in Deutschland und erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam auch wieder Leben und Aufschwung in den Verein. So machte man sich auch alsbald Gedanken über eine Neuerrichtung, weil der Zahn der Zeit erneut an der Marienkapelle seine Spuren hinterlassen hatte. Der Abriss der bestehenden Kapelle erfolgte im Februar 1966 und noch im gleichen Monat begann der Neubau. Die neue Kapelle konnte bereits am 8. Mai 1966 eingeweiht werden. Hierzu leisteten 48 Mitglieder stattliche 2454 unentgeltliche Arbeitsstunden.Bei der Gründung zählte der Verein 32 Mitglieder, heute gehören dem Verein knapp über 300 Mitglieder an. Besitzer der Marienkapelle ist allerdings der Markt Pressig. Die Mitglieder des Kapellenverschönerungsvereins kümmern sich liebevoll und mit Leidenschaft um die Pflege nicht nur der Kapelle, sondern auch der Außenanlagen, und immer wieder werden auch Maßnahmen und Anschaffungen in der Pfarrkirche St. Bartholomäus unterstützt.
In der Kapelle befinden sich einige sakrale und weltliche Schätze, die mit großem Idealismus gespendet wurden. Die Marienkapelle ist auch beliebte Anlaufstelle der Fatima-Prozessionen und der Fronleichnamsprozession, zu der Mitglieder die Außenanlagen mit prächtigen Blumenteppichen schmücken.
Traditionell ist der Pfarrer der Vorsitzende des Vereins, seit dem Jahr 2000 ist dies Pfarradministrator Pater Helmut Haagen. Er beschreibt die Lage der Kapelle an einer Weggabelung so: "Der rechte Weg führt steil hinauf zum Galgenberg, der historischen Hinrichtungsstätte, und mündet in die Heeresstraße ein, auf der einst Napoleon gegen Russland in den Krieg zog. Dieser Weg erinnert also an dunkle Zeiten, an Leid, Tod und Gewalt. Der Weg, der links an der Kapelle vorbeiführt, bringt Menschen zum Naturerlebnisbad und mehreren anderen Freizeiteinrichtungen, die der Freude und Erholung der Menschen dienen. Die Lage der Kapelle sagt uns also, Maria begleitet uns mit ihrem Sohn in allen Lebenslagen, in Freud und Leid", soweit Pater Haagen. Seit 2006 ist Hans Michel der 2. Vorsitzende, der die Geschäfte führt.

Motivkerze zum Jubiläumstag

Zusätzlich zur 60-seitigen Chronik mit Bilddokumenten, die Einblick in die Mühen und Leidenschaft der Vorfahren für die Kapelle gibt, wurde eine Motivkerze kreiert, die es ebenfalls am Jubiläumstag zu erwerben gibt.