Anna Lienhardt

Es ist der Tag von Welterbemanagerin Patricia Alberth. Sie wird gelobt, lächelt, wird wieder gelobt, nickt. Viele Stadträte im Kultursenat betonen in ihren Wortbeiträgen den Einsatz der Leiterin des "Zentrum Welterbe Bamberg" und ihres Teams. Und dann bekommt auch noch Architektin Ulrike Rose positive Rückmeldungen. Die Mitarbeiterin von "h neun Berlin - Büro für Wissenschaftsarchitekturen" hat das Konzept für das neue Welterbe-Besucherzentrum vorgestellt. Danach fallen Worte wie "sensationell" (Klaus Stieringer, SPD), Formulierungen wie "wir sind begeistert" (Franz-Wilhelm Heller, CSU), oder "ja, wir gehen ins 21. Jahrhundert mit dem Welterbe" (Tobias Rausch, GAL).
Nach der Sitzung sagt die Welterbemanagerin "Ich freue mich sehr, dass der Kultursenat unsere Begeisterung über die Zusammenarbeit mit h neun Berlin teilt." Das neue Besucherzentrum sei eine "großartige Gelegenheit" für Bamberg, sich national und international zu präsentieren und als "kompetenten Welterbe-Ort" darzustellen.
Also alle glücklich und zufrieden? Nicht ganz. So ist Dieter Weinsheimer (BA) zwar auch "von den Ideen begeistert". Aber das Besucherzentrum könne sich auch positiv auf den Tourismus auswirken - "wir wollen nicht noch mehr Touristen, lieber ein anderes Touristen-Klientel". Und: Man müsse aufpassen, dass die Bamberger das Projekt nicht als etwas für "Großkopferte" wahrnehmen.
Annette Neumann (BBB) gibt ihm recht, sagt aber gleichzeitig: "Wir müssen vom verstaubten Denken wegkommen."
Innovativ soll es werden, ein modernes Haus, in das die historischen Steine der alten Sterzersmühle wieder eingebaut werden. Architektin Ulrike Rose aus Berlin spricht davon, den Stadtraum einzubeziehen, eine "lebendige Fassade" und eine Art "digitalen Wasserfall" zu schaffen. Es soll ein Besucherzentrum mit "guter Marke und guter Website" werden, mit Markierungen im Stadtraum und Wiedererkennungswert.


Kostenfrage im Finanzsenat

Das Haus selbst - unten Wasserkraftwerk, oben Restaurant und Welterbezentrum - soll kein reines Museum werden. "Wir wollen aus Ausstellung, Restaurant und Shop eine Einheit machen", sagt Patricia Alberth. Ihr schwebt außerdem eine Welterbe-Lounge vor. Gleichwohl: "Die Besucher sollen das Zentrum kennenlernen und so motiviert sein, dass sie in die Stadt hinausgehen", sagt Bürgermeister Christian Lange (CSU).
Die Welterbemanagerin glaubt, dass das Haus nicht nur bei der Lenkung von Touristen helfen, sondern dazu beitragen wird, dass diese auch länger bleiben. "Viele denken: ,Das ist eine kleine Stadt, da reicht ein halber Tag‘. Aber dann werden sie feststellen, dass dem nicht so ist."
Und dann gibt es da noch die Idee einer 3 D-Brille: Damit sollen Besucher Orte erleben, die gerade nicht zugänglich sind, etwa den Himmelsgarten im Kloster St. Michael. Allerdings: Die Geldfrage ist noch nicht geklärt, und zwar nicht nur für die Brille.
Einige Stadträte fragen erneut nach den Kosten, die Grünen sprechen gar von einem "finanzpolitischen Kamikaze". Bürgermeister Lange dagegen sieht "keine finanzpolitische Relevanz", schließlich habe der Stadtrat Mittel vorgesehen. Alles andere sei im Finanzsenat zu besprechen.
Klar ist: Es wird mit laufenden Kosten von 120 000 bis 130 000 Euro pro Jahr gerechnet. Die Hälfte davon will man laut Alberth selbst erwirtschaften - durch Verkäufe aus dem Museumsshop, Spenden, Veranstaltungen oder Raumvermietungen. Die laufenden Kosten der ersten drei Jahre werden von der Oberfrankenstiftung bezuschusst, zudem stünden weitere Fördergelder in Aussicht. Allerdings würden für die ersten drei Jahre momentan noch 30 000 Euro fehlen. "Wir sind von Fördergeldern abhängig."
Trotzdem: Ein Welterbe-Besucherzentrum ist nicht verzichtbar, wie Dieter Weinsheimer betont (FW). Wolfgang Metzner (SPD) meint: "Man kann immer über Folgekosten debattieren. Aber hier geht es um Bildung!"
Die Welterbemanagerin zeigt sich zuversichtlich, spricht von einem "sehr innovativen Haus, bei dem sich der Mehrwert erschließt." Wer genau wissen möchte, was sich hinter Architektur-Vokabular und Skizzen der Konzeption verbirgt, kann sich bei einer Veranstaltung im November informieren (siehe Kasten).
Architektin Ulrike Rose kündigt an: "Wir wollen die Stadt aufsperren."