von unserem Redaktionsmitglied 
Rudolf Görtler

Bamberg — Nein, für Vegetarier war diese Veranstaltung nichts und werden künftige dieser Art nichts sein. Noch weniger als nichts: die reine Hölle. Doch was wäre die Revue des Trios Rolf-Bernhard Essig, Gudrun Schury und Franz Tröger ("Ensemble Etzadla") ohne die Objekte der Begierde gewesen? Blutleer, saft- und kraftlos ...
Doch die Gefahr war am Sonntagabend nicht gegeben. "Spiel mir das Lied vom Schäufela" hatten die Drei ihre "Liebeserklärung" an ein fränkisches Nationalgericht überschrieben. Das Wasser, das den Zuhörern angesichts der Lieder und Texte über das frugale Mahl im Munde zusammenlief, war nicht verschwendet. Denn in einer Art Schäufela-Triptychon hatten die beiden Schriftsteller und der Komponist den Abend dreigeteilt: Einer kunsttheoretischen Einführung in der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus ("Von Schwein zu Schwein") folgte das Menü im benachbarten Lokal Hofbräu, begleitet von Liedern, Gedichten und Kalauern; dies alles schwankend von Hochkultur bis zu schierer Albernheit - und einer überraschenden Bereitschaft des Publikums, qua Kanon oder Parodie ("Du hast Glück bei den Frau'n, Schäufela") das Loblied der Schweineschulter zu schmettern. Denn um eine solche handelt es sich, definierte Essig in einer anatomischen Einführung.
Eine Einführung ganz anderer Art hatten Regina Hanemann und Eva Schurr in der Sammlung Ludwig geleistet. Das Schwein kommt hier in Gestalt bemalter Galanteriewaren vor, als Abbild eines adeligen Hobbys im 18. Jahrhundert. Mittels Parforcejagd, d. h. des Einsatzes einer Hetzmeute, erlegten die Blaublütigen Hirsch und Keiler. Was Wunder, dass Fayencen einer Wildschweinjagd dann auch in den Vitrinen der Sammlung Ludwig stehen, ebenso wie ein Saukopf mit abnehmbarem Deckel, der seinerzeit eine adlige Tafelgemeinschaft amüsierte.
Diesen Part übernahmen am Schäufela-Abend das Autoren-Ehepaar und der Komponist. Gudrun Schury, als Verfasserin eine Buchs über Wilhelm Busch mit dem Werk des Zeichners und Dichters bestens vertraut, lieferte einigen Vortrags-Stoff: "Wer einen guten Braten macht / hat auch ein gutes Herz" hatte Busch einst gedichtet oder "Ein kluger Mann verehrt das Schwein; er denkt an dessen Zweck. Von außen ist es ja nicht fein, doch drinnen sitzt der Speck."
Folgt man dem Dichter, muss in Hansi Peßlers Brust ein gutes Herz schlagen, denn was fleißige Maiden aus des Wirts Küche schleppten, dampfende Schäufela als Kernstücke eines Fünf-Gänge-Menüs, mundete allen. Jedoch ist ein richtiges fränkisches Schäufela ein so veritables Trumm, dass es viele halb aufgegessen einschlugen und mit nach Hause nahmen. Dabei hatten flankierende Getränke und Animation den Gastraum mit mächtigen Gesängen erfüllt ("Lobe das Schäufela, köstlich und fein zubereitet") - das ist barocker Katholizismus! Tröger spielte Melodica und steirische Harmonika, kurbelte, seine ureigene Spezialität, Lochstreifen durch eine Spieluhr oder gab das Gretchen.
Weil: Eine Faust-Parodie mit Kasperle-Puppen und ein "Monolog des Blaukrauts vor seiner Enthauptung", von Essig mit einer passenden Mütze auf dem Kopf vorgetragen, sorgten für ein gehöriges Quantum Nonsens. Und den Fleisch-Verächtern ward ein Gedicht des anarchistischen Dichters Erich Mühsam hinterhergerufen: "Gesang der Vegetarier". Für die wäre, es ist bereits gesagt worden, der Abend die reine Hölle gewesen.

Die Schäufela-Revue ist während der Theatertage am Sonntag, 17. Mai, um 12 Uhr im Festivalzelt zu erleben.