Unsere Serie "Literarischer Spaziergang: auf den Spuren von Joseph Victor von Scheffel in der Fränkische Schweiz" gelangt zur 13. Station nach Muggendorf. Die Tafel mit Scheffels Vers steht in Muggendorf an der Fußgängerbrücke über die Wiesent, Richtung Sportplatz.

Wisunt, Bergströmlein frisch
und gut
In enger Taleswildnis,
Wie spiegelst du in klarer Flut
Der weißen Felswand Bildnis,
Strömst tiefgrün wie ein Alpensee,
Durchsichtig bis zum Grunde ...
Forellen schnalzen in die Höh',
Gern prüft ich sie im Munde.

Joseph Victor von Scheffel, der Schöpfer des "Frankenliedes", besuchte im Sommer vor 150 Jahren zum ersten Mal die Fränkische Schweiz. Dem Fluss Wiesent widmete Scheffel einen eigenen Vers. Er lobte die gute Qualität des Wassers und er lobte ausdrücklich die guten Forellen, die in dem klaren, kalten Kalkwasser "wuchsen".
Scheffel befindet sich bei seinem Lob über die Fische in guter Gesellschaft, denn die Forellen waren damals ein Markenzeichen für die Gegend.


Taschenbuch für Reisende

Joachim Plänkner schrieb 1841 in seinem Taschenbuch für Reisende der Fränkischen Schweiz: "Berühmt und in sehr großer Menge vorhanden sind Forellen, Karpfen dagegen sind äußerst selten." Er beobachtete weiter, dass die Menschen hier "nicht an Luxus gewohnt, sich mit gewöhnlicher Kost begnügen. Lieblingsgericht bleibt immer die Forelle, die fast in jedem Gasthaus dem Fremden angeboten wird".
Adalbert Küttlinger, der Verfasser des Reiseführers über die "Molkekuranstalt" in Streitberg, stellte 1856 fest, dass man jetzt acht Pfund schwere Forellen deshalb nicht mehr fängt, "weil dem Fische als sehr begehrten Artikel ganz vorzüglich nachgestellt wird".


"Muggendorfer Gebürg"

Man hätte die Erinnerungstafel mit dem Scheffel-Gedicht überall entlang der Wiesent aufstellen können. Weshalb der Fränkische-Schweiz-Verein (FSV) die Tafel hier platzierte, mag damit zusammenhängen, dass die Fränkische Schweiz zuerst als "Muggendorfer Gebürg" Bekanntheit erreichte, ehe das Gebiet 1807 vom Reiseschriftsteller Johann Christian Fick erstmals in "Fränkische Schweiz" umbenannt wurde.