von unserem Mitarbeiter Stephan stöckel

Burkersdorf — "Heh, Heh, stoppt die AKWs", hallte es beim legendären Anti-WAAhnsinns-Festival 1986 gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf aus tausenden von Kehlen. Wolf Maahn hatte den musikalischen Soundtrack zur Anti-AKW-Bewegung geschrieben und es damit sogar in die ZDF-Hitparade geschafft.
Inzwischen ist es etwas ruhiger um den Kölner Künstler geworden, der sich als Produzent ebenfalls einen Namen gemacht hatte. Auch wenn seine kommerziellen Hochzeiten schon ein paar Jahre zurückliegen, hat Maahn, der am Freitag, 17. Oktober, um 20 Uhr im "TECnet- Zentrum" des Burgkunstadter Kleinkunstvereins "TECnet Obermain" in Burkersdorf, gastiert, noch immer viel zu sagen.

Außerirdisch gute Musik

"Lieder vom Rand der Galaxie" heißt seine aktuelle Live-CD. Was ist daran so außerirdisch? Maahn lächelt und erklärt: "Der Titel ist poetisch zu verstehen und soll zu bewusstseinserweiternden Fragen anregen." Und er greift zum Vokabular eines Astromomen: Die Erde befinde sich am Rande der Milchstraße. Doch manchmal benähmen sich die Erdenbürger so, als würden sie im Zentrum der Galaxie leben.
"Wir vergessen oftmals, dass wir Teil der Natur sind, an der wir Raubbau betreiben. Dabei sind wir Gäste auf diesem Planeten, den wir wie eine Ferienwohnung behandeln sollten."
Worte, aus denen der Umweltschützer Wolf Maahn spricht - und die aus einer längst vergangenen Zeit zu sein scheinen, in der die Musikszene noch viel politischer gewesen war. Maahn bedauert, dass heute das Gegenteil der Fall sei. Angesichts der vielen globalen Probleme müsste man "wieder viel mehr Lärm machen".
"In den 90er-Jahren wurde es uncool, Benefizkonzerte zu geben", konstatiert der Rockpoet. Nachdem der Wettbewerb der gesellschaftlichen Systeme nach dem Fall der Mauer nicht mehr vorhanden gewesen sei, habe bei Intellektuellen und Künstlern eine Art Selbstzufriedenheit eingesetzt.
Maahn sieht einen Hoffnungsschimmer am Horizont. Als Beispiel führt er Ex-Beatle Paul McCartney an, der dieser Tage einen Agitationssong ("Meat Free Monday") für einen vegetarischen Tag in der Woche geschrieben hat. "Das ist eine tolle Aktion", freut sich Maahn.

Brückenschlag zwischen Ländern

Und wo ist sein sozialkritischer Stachel abgeblieben? "Er ist noch immer vorhanden", stellt der Angesprochene klar. Seinen Song "Vereinigte Staaten" aus dem Jahre 2010 hält er mit Blick auf die Ukraine-Russland-Krise für aktueller denn je: "Darin schlage ich eine gedankliche Brücke zwischen privaten Herausforderungen und Herausforderungen, die das Zusammenleben verschiedener Staaten betreffen." Nach Ansicht Maahns sollten sich beide Länder zusammenraufen, auch wenn das nicht die Ideallösung sei.
Am 17. Oktober steht er solo und unplugged auf der Bühne des "TECnet-Zentrums". "Ich genieße es, an Orten zu spielen, wo ich noch nie war. Die Kleinkunstbühne in Burkersdorf ist ein solch weißer Fleck auf meiner persönlichen Konzertlandkarte", sagt der Künstler.
Wolf Maahn, der nach eigener Aussage am Ausbrüten neuer Texte und Töne ist, lädt das Publikum ein, Teil eines mitreißenden Jams zu werden, also zu klatschen, zu stampfen und zu singen.