"Sommer-Nacht-Musik" lautete der Titel des Abschlusskonzertes der gerade zu Ende gegangenen Theaterspielzeit des Kulturrings Lichtenfels. Mit bekannten und weniger bekannten Kompositionen begeisterte das Instrumental-Collegium Lichtenfels unter der Leitung und Moderation von Heinz Wilk das zahlreich erschienene Publikum in der Aula des Meranier-Gymnasiums. Wie Wilk eingangs erläuterte, hatten die meisten der ausgewählten Musikstücke einen Bezug zur Nacht und zum Sommer.


Mit 20 Jahren komponiert

Mozarts berühmte "Serenata notturno" D-Dur für zwei Orchester eröffnete den Abend. Mozart hatte das Werk im Alter von gerade einmal 20 Jahren geschrieben. Zwei Orchester hieß in der Umsetzung, dass ein vierköpfiges Orchester mit Kontrabass einer deutlich größeren instrumentalen Besetzung gegenüberstand. Mozarts berühmtes Werk beinhaltet einen für die damalige Zeit nicht ganz stubenreinen Gassenhauer, wie Wilk eingangs erläuterte. Mitunter lang anhaltender Beifall zwischen den einzelnen Beiträgen belohnte das Instrumentalensemble und die beiden Solisten des Abends.
Den Solopart im ersten Violoncello-Konzert von Carl Stamitz übernahm die weit über die Region hinaus bekannte Cellovirtuosin Ulrike Gossel (Küps). Carl Stamitz gehörte der sogenannten "Mannheimer Schule" des 18. Jahrhunderts an. Sein erstes Violoncello-Konzert in G-Dur hatte der Komponist dem musikliebenden und selbst Cello spielenden König Friedrich Wilhelm II. von Preußen gewidmet. Ein Werk, das durch seine Interpretation und die Spielfreude der Musiker gefiel. Ein erheblicher Teil des begeisterten Applauses dürfte dabei Ulrike Gossel gegolten haben.
Luigi Boccherini dürfte einer der fleißigsten Komponisten des 18. Jahrhunderts gewesen sein, wie Wilk erläuterte. Seine Erklärungen zu Werk und Komponisten trugen viel zum Verständnis bei. Dies dürfte besonders für Boccherinis "La Musica delle Strade di Madrid" gelten. Ob man als Zuhörer allerdings die Straßen von Madrid kennen muss, um das Werk zu verstehen, wie der Komponist meinte, bleibt dahingestellt. Die Komposition ist eine in Tönen umgesetzte Abfolge von Bildern, die mit dem Aufziehen der militärischen Nachtwache beginnt, sich im Tanz der Blinden fortsetzt und auch ein Ständchen bereithält. Dazwischen sind immer wieder einzelne Geigen zu vernehmen. Einmal sogar aus dem Zuhörerraum. Ein höchst interessantes Werk mit einem besonderen Hörgenuss.
Einen besonderen "Hingucker" bescherte Henri Schimanski, der in der "Nachtwächter-Serenade" des Wiener Barockkomponisten Heinrich Ignaz Franz Biber als Nachtwächter sowohl optisch wie auch stimmlich in Erscheinung trat.


Im Schatten großer Komponisten

Der zweite Teil des Konzerts entführte in die Epoche der Romantik des 19. Jahrhunderts. Niels Wilhelm Gade und Robert Volkmann zählen heute zu den fast vergessenen Komponisten. Sie standen immer im Schatten der großen Komponisten ihrer Zeit. Sehr zu Unrecht, wie Heinz Wilk ausführte. Ursprünglich für Klavier geschrieben, erweisen sich Gades "Aquarelle" in der Bearbeitung für Streicher als leichte und luftige Werke, quasi ein Appetithappen für die Ohren. Gefällig und leicht kam auch die zweite Serenade für Streichorchester von Robert Volkmann zu Gehör.
Einen besonderen Schlusspunkt setzten das Instrumental-Collegium und Cellistin Ulrike Gossel mit dem "Andante cantabile" für Violoncello und Streichorchester aus der Feder des russischen Komponisten Peter Tschaikowsky. Die Vorlage dazu hatte der Komponist von einem Anstreicher im Haus seiner Schwester gehört. Ebenfalls überlieferte ist, das Tolstoi vor Rührung in Tränen ausgebrochen ist, als er das Werk zum ersten Mal hörte. Ein begeisterter Applaus war der verdiente Lohn für ein überaus hörenswertes Konzert.