Andreas Lösch

Es kommt nicht alle Tage vor, dass jemand von Paul Engelbrecht verlangt, einen Defekt in eine Waschmaschine einzubauen. Normalerweise repariert der Haßfurter Elektromeister die Geräte, überprüft sie oder schreibt ein Gutachten, diesmal manipuliert er sie. Und zwar im Auftrag einer TV-Produktionsfirma, die bei ihm angefragt hat, ob er ein Fernsehteam technisch beraten und bei mehrtägigen Dreharbeiten begleiten könnte.
Ende Februar, erzählt der 60-Jährige, "haben die mich angeschrieben". Das Projekt fand er interessant. "Sie haben zu mir gesagt, sie drehen mit versteckter Kamera und wollen Handwerker testen." Sie hätten bei der Handwerkskammer angefragt, wo sie auf Elektro Engelbrecht in Haßfurt verwiesen wurden. Dort gebe es einen "vom Tüv zertifizierten Gutachter und Sachverständigen für Haus- und Gewerbegeräte". Paul Engelbrecht grinst: Die Zusatzqualifikation hat ihm einen Auftritt als Experte im Fernsehen beschert, denn "mit dieser Zertifizierung gibt es nur ganz wenige in Deutschland".


Vom feinsten Schlag bis abgezockt

Schon knapp einen Monat später war er für Dreharbeiten jeweils drei Tage in München und in Hamburg und erlebte Dinge, "die glaubt man erst, wenn man sie gesehen hat" (was übrigens bald möglich ist: Im Juli werden die Sendungen auf Kabel 1 ausgestrahlt). Da gab es Handwerker vom feinsten Schlag mit fairen Preisen und auch besonders fiese Abzocker. Einer davon habe den Fernsehleuten sogar mit Gewalt gedroht, nachdem sich das Produktionsteam zu erkennen gegeben hatte, berichtet Engelbrecht.
Der Haßfurter Elektromeister hatte eigene Waschmaschinen dabei, die TV-Firma lieferte den Rest: In München und Hamburg hatten die Produzenten Wohnungen organisiert und Lockvögel angeheuert, die Handwerker für eine Waschmaschinenreparatur beauftragen sollten.


Filmstudio im Wohnzimmer

"Im Wohnzimmer wurde ein Filmstudio aufgebaut", sagt Engelbrecht. Dort saß er mit den Produzenten, während im Keller der Lockvogel mit dem Haßfurter via Funkknopf im Ohr verbunden war. Vom Wohnzimmer aus konnte das Team alles beobachten über "13 versteckte Kameras". Für ein Szenario hatte Engelbrecht bei der Waschmaschine den Stecker der Türverriegelung abgezogen, was bei Transporten durch Erschütterungen passieren kann. Es durfte nicht auffallen, dass der Fehler fingiert war.


Kräftig zugelangt

Die Handwerker erkannten den Defekt meist, länger als 15 bis 20 Minuten dürfe die Reparatur in so einem Fall nicht dauern, laut Engelbrecht wäre dafür maximal eine Rechnung von etwa 50 bis 60 Euro gerechtfertigt, eigentlich "schnell verdientes Geld", da ja nur der Stecker zu fixieren sei. Allerdings wurden in den beiden Großstädten Wucherpreise von bis zu 170 Euro verlangt. Manche Handwerker wollten den Stecker austauschen, einer wollte gar einen neuen Kabelbaum verlegen, wie Engelbrecht erklärt. Der "Handwerker" aus Hamburg, der dem Fernsehteam sogar mit Gewalt drohte, kannte sich so wenig aus, dass er die Maschine statt zu reparieren beschädigte, als er versuchte, die Front mit dem Schraubenzieher aufzustemmen.
Die Handwerker wurden umfangreich geprüft und bewertet. "Die waren teilweise sehr fit und teilweise waren es Pfeifen", erinnert sich der Haßfurter Meister.
Seine Faustregel, wenn jemand einen Kundendienst beauftragt, lautet: "Wenn ich den Handwerker nicht kenne, sollte ich vorher die Preise abfragen: Stundenlohn, Anfahrt, Anfahrtszeit."