In der Maschinenfabrik Fischer ist er bekannt wie ein bunter Hund: Dietmar Geßlein, den alle nur kurz und liebevoll "Didi" nennen. Das kommt nicht von ungefähr: Seit 2001 ist der Marktgraitzer Betriebsratsvorsitzender bei dem Burgkunstadter Unternehmen, das Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie herstellt. Ein Vollzeitjob ist daraus für ihn nicht geworden. "Ich denke, das funktioniert auch in Teilzeit, schließlich verstehen sich Betriebsrat und Geschäftsführung sehr gut", sagte der 57-jährige, der mit Leib und Seele Konstrukteur ist.


Spannender Prozess

Seinen erlernten Beruf zugunsten des Betriebsratsvorsitzenden vollständig aufzugeben, das käme für ihn nicht infrage. "Eine Maschine auf dem PC zu konstruieren, ist ein spannender Prozess. Man braucht Ideen, muss kreativ sein und wissen, wie man Probleme löst. Und wenn dann am Ende die Maschine in natura in der Halle steht, ist man stolz auf das Geschaffene."
Am Donnerstagabend wurde der allseits beliebte Mitarbeiter, der immer ein Lächeln auf den Lippen hat, im Hotel "Gondel" in Altenkunstadt für 40-jährige Betriebszugehörigkeit mit einer Urkunde, einer Medaille und einem Geschenk geehrt.
Gemeinsam mit den anderen 20 Jubilaren hinterließ er symbolisch einen Fingerabdruck auf dem gezeichneten Jubiläumsbaum des Burgkunstadter Betriebes. "Ihr seid die Basis und der Stamm des Unternehmens. Jeder in seiner Funktion sorgt für den Fortbestand und die gute Entwicklung unseres Unternehmens", lobte Geschäftsführerin Simone Thies die beruflichen Langstreckenläufer.


Anekdoten erzählt

Für heitere Momente sorgten die Abteilungsleiter, die einige Anekdoten über die Jubilare zu erzählen wussten. In der von Abteilungsleiter Martin Schoberth spielt der junge Dietmar Geßlein die Hauptrolle. "Eine Pause bezeichnet auf dem Gebiet der Technik bekanntlich eine mit lichtempfindlichem Papier hergestellte Kopie", erläuterte Schoberth zum Verständnis der witzigen Begebenheit. "Als frischgebackener Lehrling wusste das ,unser Didi‘ selbstverständlich nicht." Mit dem ihm in die Hand gedrückten Entwurf habe er sich, so Schoberth, neben den Mitarbeiter an der Pausenmaschine gesetzt. "Warum sitzen Sie hier?", fragte dieser und Didi antworte: "Ich soll eine Pause machen." "Didis" Generation brachte frischen Wind in das Konstruktionsbüro, in dem es früher etwas steifer zugegangen war und alle weiße Arbeitsmäntel getragen hatten. "Wir waren immer gut drauf, heckten auch mal einen kleinen Streich aus und duzten uns am Ende", schilderte Geßlein den Wandel. Den Zusammenhalt in der Abteilung bezeichnet er als "phänomenal". "Wir sind zu einer verschworenen Gemeinschaft aus 20 bis 25 Leuten geworden, die einmal jährlich in die Berge zum Wandern fährt."
Den Wandel in seinem Beruf hat der gelernte technische Zeichner hautnah miterlebt. Als Geßlein vor 40 Jahren anfing, wurde noch mit Tusche und Bleistift am Zeichenbrett entworfen, heute geben moderne Computersysteme den Ton an. Anpassungsschwierigkeiten hatte er nie. "Wenn man sich näher damit beschäftigt, dann ist es alles nur halb so wild", lautet die Erkenntnis des Jubilars. Außerdem würden einen die Kollegen in der Abteilung unterstützen, in der ein gegenseitiges Geben und Nehmen herrsche, schließt Geßlein das Kapitel.
Die Gedanken von ihm und der Geschäftsführerin schweiften aber auch in die Zukunft. "Ich hoffe, dass Ihr uns noch viele Jahre erhalten bleibt, so dass wir noch weitere Jubiläen feiern dürfen und gemeinsam den Fischerbaum zu seiner Blüte bringen", sagte Thies.