Es ist ein friedliches Waldstück nahe Prächting, in dem gestern Bürgermeister Bernhard Storath und die Vertreter der katholischen Kirchenstiftung den geplanten Waldkindergarten vorstellten. Die Idee, eine Gruppe von Kindern im Wald zu betreuen, ist im Herbst 2015 aus der Not heraus geboren worden. Die bestehenden Kindergartenplätze reichen bei weiten nicht mehr aus. "Wir standen vor der Frage, entweder einen Neubau zu erstellen oder eine Waldkindergartengruppe einzurichten", erinnert sich Bernhard Storath.


Das Interesse abgefragt

In einem nächsten Schritt wurden die Eltern aller Ebensfelder Kindergartenkinder angeschrieben und das Interesse abgefragt. Dabei stellte sich heraus, dass durchaus ein Interesse an dieser Form der Kinderbetreuung besteht. Als Träger konnte die katholische Kirchenstiftung und die Kindertagesstätte St. Michael gewonnen werden. Was Theo Lunkenbein, Kindergartenbeauftragter der katholischen Kirchenstiftung am meisten freut, ist, dass der Gemeinderat und die Kirchenstiftung dem Projekt einstimmig zugestimmt haben. Auch die stiftungsaufsichtliche Genehmigung der Erzdiözese Bamberg liegt vor. "Sonst hätten wir es nicht machen können", sagt Theo Lunkenbein.
Jetzt ist er gespannt, wie sich das Projekt entwickelt. Im Vorfeld der Überlegungen hat sich Bürgermeister Bernhard Storath im Waldkindergarten in Unnersdorf umgesehen. "Ich habe noch nie so viele schmutzige, aber auch sehr glückliche Kinder gesehen." Das hat ihn letztlich überzeugt.
Mit Beginn des neuen Kindergartenjahres wird es auch in der Marktgemeinde eine Waldkindergartengruppe geben. Nach Unnersdorf die zweite im Landkreis. Ein entsprechendes Grundstück wurde in einem Wald bei Prächting gefunden. Dort werden die Mädchen und Jungen ab September von zwei neu eingestellten Erzieherinnen und einer Umweltpädagogin betreut. Dabei lernen sie die Natur aus nächster Nähe kennen und das bei jeder Jahreszeit.
Als Schutzraum bei ungünstigen Witterungsverhältnissen steht der Waldgruppe ein gut zehn Meter langer Waldwagen zu Verfügung. "Darin wird es auch einen Ofen geben, auf dem sich die Kindergartengruppe auch einmal ein Tee kochen kann", erklärt Ulrike Zenk, Leiterin der Kindertagesstätte St. Michael. Bei extremen Unwettern steht als Ausweichmöglichkeit die Schule in Prächting zu Verfügung. Ansonsten spielen die Kinder bei Wind und Wetter in der freien Natur und zwar nicht mit Legobausteinen, sondern mit Schubkarren, Eimer, Schaufeln, Topf und was die Natur hergibt. Zur Einrichtung wird auch ein Tipi gehören, das noch erstellt wird. Die Waldkindergartengruppe bietet maximal 20 Plätze. Aktuell liegen bereits 16 Anmeldungen vor.
Praktisch ist geplant, dass die Eltern ab dem ersten Kindergartentag ihre Kinder zu einem Sammelplatz nahe Prächting bringen werden. Von da aus geht es gemeinsam mit den Erzieherinnen in einen Fußmarsch von fünf Minuten zum eigentlichen Waldgrundstück, in dem auch der Waldwagen und das Tipi stehen. Betreut werden die Kinder von 7.30 bis 14 Uhr. Bei Bedarf findet Nachmittagsbetreuung in der Kindertagesstätte St. Michael statt. An Kosten für die Ausstattung rechnet die Gemeinde mit bis zu 60 000 Euro.
Anmeldungen für die Waldkindergartengruppe sind bei Ulrike Zenk, Leiterin der Kindertagesstätte St. Michael in Ebensfeld, unter 09573/6954 möglich.