Tobias Kindermann

Es ist keine Region, die Perspektiven verheißt. Stufu ist ein kleiner Ort in den Karpaten in Rumänien, es gibt wenig Arbeit - und viele arme Familien. Die jungen Männer gehen oft ins Ausland - und unterstützen die zurückgebliebenen Familien mit dem Geld, das sie dort verdienen. Seit rund zehn Jahren hilft die Pfarrei Ebensfeld dort mit Aktionen - und jetzt hat eine ganz ungewöhnliche Geschichte Form angenommen. Oder besser gesagt: Sie steht auf vier Beinen.
15 Kühe, acht Ziegen und vier Schafe helfen bedürftigen Familien. Mit der Milch der Tiere sollen sie sich selber versorgen und auch Käse herstellen. Was man nicht selber verbraucht, soll verkauft werden. Die Idee dazu kam auf, als Pfarrer Scharf und zwei Mitglieder der Kirchenstiftung Eggenbach nach einem Besuch in Stufu auf der Heimreise waren.


Start mit Frühschoppen

Bei einem Frühschoppen in Eggenbach im Mai wurde Geld gesammelt, dazu kamen Spenden von Leuten, die die Aktion über die Berichte in der Zeitung mitbekommen hatten. 9500 Euro kamen so zusammen. "Das ist für einen einfachen Frühschoppen doch ein ganz gutes Ergebnis", sagt Pfarrer Scharf und lacht. Der Kontakt ergab sich, als 2005 eine Gruppe aus Onesti, der nächstgrößeren Stadt in der Nähe von Stufu, in Ebensfeld übernachtete. Mit dabei Marian Gaspal, der heute als Pfarrer in Stufu, Prisaca und Livezzi tätig ist. Die drei Dörfer bilden eine katholische Enklave in der Region, etwa 250 bis 300 Familien leben hier.
"Es sind die Ärmsten der Armen, denen wir dort geholfen haben", sagt Pfarrer Scharf. Ausgewählt wurden sie zusammen mit der örtlichen Pfarrei. Die Ebensfelder haben die Tiere in Rumänien gekauft. Bei einem Besuch vor ein paar Tagen sah sich der Helferkreis vor Ort um, dass die Aktion auch gut anläuft - und dabei wurden auch die Tiere an die Familien übergeben. Die hatten bereits einfache Ställe gebaut, in denen die Tiere untergebracht wurden, wenn sie am Abend von der Wiese wieder zurückgetrieben wurden.
Alle Familien, die ein Tier bekommen hatten, wurden zu einem kleinen Fest in die alte Schule nach Stufu eingeladen, die Kinder bekamen schulfrei. Bei Maisbrei, Rindfleisch, Paprika und Wein wurde gefeiert. Ein Vertreter danke der Pfarrei: "Es ist für uns in der Pfarrei Stufu mit den zwei Filialgemeinden heute ein großer Tag! Wir danken Ihnen aus Deutschland, aus der Pfarrei Ebensfeld, für Ihre große Unterstützung."


Tiere gehören der Pfarrei

Die Tiere gehören der Pfarrei und sind nicht Eigentum der Familien. Pfarrer Rudolf Scharf rechnet nicht damit, dass die Tiere etwa nicht gut behandelt oder gar geschlachtet werden: "Das sind drei kleine Dörfer, da bleibt nichts verborgen." Es ist nicht das erste Mal, dass die Ebensfelder geholfen haben. Auch Pferdsfeld und Unterneuses sowie Unterbrunn haben schon Aktionen gestartet. Insgesamt zählen rund 50 Personen zum Helferkreis in der Pfarrei Ebensfeld. Wie geht es nun weiter? "Jetzt ist erst mal wieder unser Waisenhaus in Temesvar dran." In einem Haus, das der örtlichen Caritas gehört, sind 16 Kinder untergebracht. Dorthin wird man nun aufbrechen. Doch wenn jemand eine neue Idee hat, wie man in Rumänien helfen kann: Pfarrer Scharf freut sich über Anregungen.