von unserem Redaktionsmitglied 
Michael Memmel

Forchheim — Ballkontrolle statt Blattkontrolle, Taktik umstellen statt Seiten umblättern - das Redaktionsfrühstück des Fränkischen Tags am Dienstagmorgen verwandelte sich im Handumdrehen in ein WM-Frühstück. Viele Besucher entpuppten sich als wahre Fußball-Experten und tauschten sich bei Kaffee und herzhaftem Gebäck der Bäckerei Pfister aus Burk über ihre Eindrücke vom Vorabend aus.
Eine Tatsache beeindruckte die Leser besonders und ließ die Lokalredakteure den Hut vor ihren Kollegen vom Sport ziehen: Der FT hatte in seiner Forchheimer Ausgabe noch einen aktuellen Spielbericht vom deutschen 2:1-Erfolg gegen Algerien im Blatt - und das, obwohl das Achtelfinale durch die Verlängerung erst spät Nachts gegen 0.30 Uhr beendet war.
Das gefiel auch Walter Heesen aus Ebermannstadt, der mit seiner Frau Anneliese Woschke zum Frühstück gekommen war. Allerdings erst gegen Mittag, denn zuvor hatte er sich noch einmal das Spiel vom Abend "ganz in Ruhe" in der Wiederholung angeschaut. Was ihm dabei aufgefallen war: "Die Mannschaft war total verunsichert. Die war falsch eingestellt und einfach von der Stärke der Algerier überrascht." Für das Viertelfinale gegen Frankreich hofft Heesen, dass die Abwehr nicht wieder als "Chaos-Haufen" auftritt.
Fehlpässe, immer wieder Fehlpässe - darüber ärgerte sich auch Gerhard Kalb aus Burk. "Es kann doch nicht sein, dass Pässe über sechs, sieben Meter nicht ankommen", schüttelte der 64-Jährige den Kopf, der früher selbst als Fußballer aktiv war. Um überhaupt eine Chance gegen Frankreich zu haben, müsse laut Kalb jetzt eine Leistungssteigerung um "100 Prozent" her.
Darauf setzt auch Gerhard Mehl, seines Zeichens Frauenfußball-Spielleiter im Kreis Erlangen/Pegnitzgrund: "Die Spieler sind sicher stärker, als man sie gestern gesehen hat. Das müssen sie gegen die Franzosen zeigen." Der Schiedsrichter, der gleichzeitig andere Männer in Schwarz beobachtet und bewertet, würdigte Torwart Manuel Neuer und den Unparteiischen als die "besten Akteure auf dem Platz".
In der Bewertung des deutschen Schlussmannes waren sich jedoch die Frühstücks-Besucher nicht ganz einig. Für Gerhard Kalb hatte Neuers Spiel schon nichts mehr mit Fußball zu tun: "Der ist mir zu viel Risiko eingegangen, schließlich war auch der Rasen sehr nass." Dem widersprach Heiner Kredel, der den Auftritt des Torwarts "unbeschreiblich" fand: "Er hat eine Coolness ausgestrahlt, nicht nur wie er bei den Bällen rausgekommen ist, sondern auch wie er danach auch wieder locker im Tor stand und nach dem Spiel Interviews gegeben hat." Kredel, Filialleiter der Volksbank Forchheim, freut sich schon jetzt auf das WM-Weißwurst-Frühstück seiner Bank am kommenden Samstag von 9 bis 13 Uhr. Dann will er sich bei der Aktion, die nur in der Hauptstraße stattfindet, mit den Kunden über den ersehnten Einzug ins Halbfinale am Vorabend unterhalten.

Viel Kritik an der Taktik

Richtig tief in die Analyse der Achtelfinal-Partie ging Georg Distler in der FT-Redaktion. "In Deutschland spielen wir zwar schon seit vielen Jahrzehnten gut Fußball, aber jetzt meinen wir, wir müssten alles dem Pep Guardiola nachmachen. Vier Innenverteidiger hinten, vorne ein falscher Stürmer - das passt nicht." Der ehemalige AH-Spielleiter im Kreis Forchheim fordert stattdessen: "Richtige Außenverteidiger, nur zwei statt drei defensive Mittelfeldspieler und einen echten Mittelstürmer!"
Ähnlich sah es Uwe Buhl, der mit seiner Band "Klappe" das WM-Lied "Nach Rio" produziert hat. Mustafi bezeichnete er als kompletten Ausfall, an seiner Stelle sollte Lahm wieder außen in der Abwehr spielen. Und für das Mittelfeld sei auch Kramer seit Montagabend eine gute Option. Buhl: "Ich würde schon auf zwei, drei Positionen umstellen. Für das Halbfinale stell' ich den Sekt jedenfalls noch nicht kalt."