Andreas Lösch

Entschieden ist es ja schon, die Haßberg-Kliniken werden in großem Umfang umstrukturiert. Da hatte der Kreistag gestern bei seiner Sitzung im Landratsamt in Haßfurt nichts zu beschließen. Das hat bereits der Verwaltungsrat der Kliniken vor rund einem Monat getan, seitdem steht fest: Die stationäre Behandlung im Haus Hofheim wird nicht fortgesetzt, was faktisch bedeutet: Die Klinik wird geschlossen, das Kommunalunternehmen Haßberg-Kliniken betreibt dort nur noch ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). Und in der Haßfurter Klinik soll zum Ende des Jahres 2018 die Geburtshilfe dicht gemacht werden.


Fragen stellen

Wohl aber bot sich den Kreisräten gestern die Möglichkeit, noch einmal mit den Verantwortlichen über die geplanten Maßnahmen zu diskutieren, Fragen zu stellen, Vorschläge zu machen. Denn: Der ganze Prozess der Umstrukturierung, durch den die hohen Defizite der vergangenen Jahre gestoppt werden sollen, wird sich eine Weile hinziehen.
Keiner der Kreisräte war dabei auf Stimmungsmache aus, die Entscheidungen des Verwaltungsrats und das Konzept der Klinik-Verantwortlichen werden von den Kreispolitikern gemeinhin akzeptiert. Wohl aber ist den Gremiumsmitgliedern wichtig, dass das, was beschlossen wurde, auch konsequent umgesetzt wird. So schlug etwa Holger Baunacher (Junge Liste) vor, eine "interne Revision zu installieren, die sicherstellt, dass das neue Konzept dauerhaft und konsequent fortgeführt wird".
Denn im Bereich Kommunikation und Kontrolle mussten in erster Linie die zwei Vorstände der Haßberg-Kliniken, Stephan Kolck und Wilfried Neubauer, immer wieder Kritik einstecken: Unter anderem hatte die Kreisrätin und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner beklagt, die Vorstände hätten ihre Entscheidungen der vergangenen Jahre nicht immer nachvollziehbar gegenüber dem Verwaltungsrat erklären können.


Schwierige Situation

Bei all der Kritik wurde aber auch stets deutlich, dass die Krise der Haßberg-Kliniken nicht allein Managementfehlern, sondern gerade auch der bundes- und landespolitischen Situation im Gesundheitssektor geschuldet ist. Große Kliniken, die sich spezialisieren, werden bei den momentanen Rahmenbedingungen besser gestellt als kleine Häuser der Grundversorgung im ländlichen Raum, wie Kolck erklärte. Insgesamt sei es schwierig für Krankenhäuser, positive Zahlen zu schreiben: 45 Prozent aller öffentlichen Krankenhäuser in Deutschland machen laut Stephan Kolck keinen Jahresüberschuss, wie aus dem Krankenhaus Rating Report 2016 hervorgeht. Den Ruf Baunachers nach einer Revision befürwortete auch Kolck; er sagte, es soll eine Stabsstelle Qualitätsmanagement geben, "die dafür sorgen muss, dass das Monitoring stimmt".
Im vergangenen Jahr hatten die Haßberg-Kliniken ein Defizit von rund 3,5 Millionen Euro zu verbuchen, seit nunmehr fünf Jahren in Folge steckt das Kommunalunternehmen in den roten Zahlen. Wie Kolck berichtete, hat eine Analyse der Unternehmensberatung "Oberender & Partner" ergeben, dass das Defizit ohne Gegenmaßnahmen in den kommenden fünf Jahren immer weiter angestiegen wäre, im Jahr 2021 wäre man gar bei 5,2 Millionen Euro minus. Mit den geplanten Schließungen und den Umstrukturierungen sowie umfassenden Sparmaßnahmen könne man dagegen im Jahr 2021 bei "nur" 1,9 Millionen Euro minus liegen.
Das muss nun laut Landrat Wilhelm Schneider (CSU) konsequent umgesetzt werden: Die Beschlüsse seien gefasst, "aber die Arbeit geht erst noch los".