Coburg — Der Coburger Fußgänger hat es wahrscheinlich zuerst gemerkt. Das Gerüst verdeckt nämlich nicht nur das VHS-Gebäude, sondern versperrt auch den Fußgängerweg auf der einen Straßenseite. Der große gelbe Kran ist schon von Weitem sichtbar. Was viele allerdings nicht wissen: Die Rede ist nicht nur von einer Baustelle, sondern auch von einem Projekt, an dem sich vier Volkshochschulen aus Thüringen, Sachsen und Bayern beteiligen.


VHS mit gutem Beispiel voran

"VHS goes green" nennt sich das Projekt, das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert wird. Und der Name verrät auch schon im Ansatz, worum es in dem Projekt geht. Mit der Initiative wollen die Volkshochschulen ihren Teil zum Klimaschutz beitragen. "Noch ist es nicht zu spät, unsere Einstellung zum Klimaschutz zu ändern", sagt Rainer Maier, Geschäftsführer der Volkshochschule (VHS) Coburg. Ziel ist es, an den Einrichtungen energiebewusst und klimaschonend zu handeln. Die VHS möchte damit in Sachen Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen. "Wir als Bildungsstätte wollen Vorreiter sein", erklärt Maier. "Deshalb haben wir das Dach des VHS-Gebäudes nicht nur neu gedeckt, sondern auch nach neuestem Standard isoliert."


Verschiedene Dämm-Materialien

"Als wir das Dach abgedeckt hatten, haben wir festgestellt, dass ein Teil der Wärmedämmung noch erhalten war, teilweise aber auch gar kein Dämm-Material vorhanden war", sagt Heino Hopfeld von der Dachdecker-Firma Boseckert. "Wenn wir fertig sind, erreichen wir mit der neuen Dämmung zum einen eine Energie-Einsparung, zum anderen aber gleichzeitig auch einen Sommer-Wärmeschutz. Damit schaffen wir ein besseres Wohn- und Arbeitsklima."
Auch Wolfgang Weiß, Klimaschutz-Beauftragter der Stadt Coburg, hält dies für einen nicht zu vernachlässigenden Faktor: "Sommer wie in diesem Jahr werden in Zukunft häufiger auftreten. Deshalb ist die Kühlung heutzutage auch ein wichtiger Faktor."
Ziel war es auch, das VHS-Gebäude in seinem Erscheinungsbild nicht zu verändern. "Wir wollten das Baudenkmal wieder so hinbekommen, dass es uns wie vorher erhalten bleibt", erläutert der ehemalige Leiter des Hochbauamtes und ehrenamtliche technische Berater der VHS, Gerhard Lindner. "Und trotzdem wollten wir gleichzeitig möglichst nah an die Energieanforderungen von heute herankommen. Und die wesentliche Nutzung des Gebäudes während des Baus sollte aufrechterhalten werden."


400 Quadratmeter Dachfläche

Nicht zuletzt war das durch einen Kran möglich. "Der hat uns alle Abläufe vereinfacht, und wir kamen schneller voran - und mussten nicht ständig durchs Gebäude gehen", sagt Hopfeld.
In der letzten Augustwoche haben die Arbeiter angefangen, das Gerüst aufzustellen. Seit Anfang September decken sie das Dach neu - immerhin 400 Quadratmeter Dachfläche sind mit Ziegeln zu decken. "Für Ende Oktober haben wir die Fertigstellung fest geplant", sagt Hopfeld. Bis dahin war es aber nicht immer leicht: "Bis wir alle Genehmigungen hatten, verging bestimmt eine Woche."
An dem Projekt "VHS goes green" beteiligen sich neben der Volkshochschule Coburg auch drei weitere Volkshochschulen aus Sachsen und Thüringen. "Ich freue mich über das Bündnis aus Thüringen, Sachsen und Bayern, weil wir gemeinsam etwas schaffen", sagt Holger Schreiber vom Thüringer VHS-Verband.
Dessen ist sich auch Wolfgang Weiß sicher: "Mit diesem Projekt müssen wir vorangehen und das auch zeigen." mo