von unserer Mitarbeiterin Pauline Lindner

Forchheim — 2,9 Millionen Euro im Jahr beträgt die Wertschöpfung, die ehrenamtlich Engagierte in Forchheim erbringen. Berechnet hat das Natalia Grünert in ihrer Masterarbeit zu diesem Thema. Die Summe basiert auf einem zugrundegelegten Mindestlohn von 8,50 Euro und den gemeldeten 28 143 Stunden pro Monat.


7552 Personen gemeldet

Die 122 Vereine in der Stadt haben 61 000 aktive und passive Mitglieder. 7552 engagierte Personen wurden gemeldet. Dabei hat nur die Hälfte aller Vereine und Organisationen mit ehrenamtlichen Mitarbeitern den von Grünert entwickelten Fragebogen ausgefüllt.
Forchheim ist nach Grünerts Auswertung die einzige Kommune in Deutschland, die ein genaues Bild vom ehrenamtlichen Engagement hat. 85 Prozent der ehrenamtlichen Arbeit werden von Kirchen, Verbänden und kommunalen Einrichtungen geleistet. Das größte Feld ist dabei der Bereich Bildung, Erziehung und Kinderbetreuung. "Auffallend viele engagieren sich auch auf den Gebieten Kultur, Medien und Musik", erläuterte Grünert vor vielen Ehrenamtlichen und Vertretern von Vereinen und Verbänden im Saal der Volksbank.
Grünert, die seit sechs Jahren in Forchheim lebt, schrieb ihre Abschlussarbeit an der TH Nürnberg bei Professor Doris Rosenkranz. Sie gab vorab einen Überblick, welche Faktoren allgemein für ehrenamtliches Engagement ausschlaggebend sind. Ohne gute Rahmenbedingungen seitens der Kommune - beispielsweise in Form eines Kümmerers - geht es nicht, um Menschen zu gewinnen. "In den letzten zehn, 15 Jahren hat sich das Ehrenamt stark verändert; andere Wege müssen gegangen werden, denn die Motivation hat sich geändert. Nicht wenige wollen nicht nur helfen, sondern selber etwas aus ihrem Engagement gewinnen."


Nachwuchsprobleme

Aus den ausgefüllten Fragebogen ergibt sich, dass für die Träger die Leistung der Engagierten sehr wichtig ist (80 Prozent). Die Altersverteilung zeigt, dass 56 Prozent aller Engagierten älter als 46 Jahre sind, gut 20 Prozent sind sogar älter als 66 Jahre. Damit müssen sich die Zusammenschlüsse durchgängig dem Nachwuchsproblem stellen. Und dabei berücksichtigen, dass der Trend zu kurzfristigem und unregelmäßigem Engagement geht, nicht zuletzt bedingt durch berufliche und familiäre Pflichten. Ein wichtiger Faktor sei dabei auch die (zeitgemäße) Anerkennung. Dieser Punkt wurde beim Fragenkomplex "Wünsche an die Stadt" zuvorderst genannt. Ebenso der Wunsch nach einem Ansprechpartner bei der Stadt und einem Runden Tisch. Hierzu hatte Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) in seinem Grußwort eine Steilvorlage geliefert.
Er erinnerte an einem ehrenamtlichen Trainer beim VfB, der ihn seinerzeit zum Turnen gebracht hat. Dieser Mann wünschte sich - schon vor vielen Jahren - eine Art Büro mit einem städtischen Mitarbeiter, der vor allem den Sportvereinen bei Fragen des Steuer-, des Versicherungs- und des Haftpflichtrechts beistünde.
Von "Anerkennungskultur" sprach dann auch Heiner Kredel als Vertreter des Musikvereins Buckenhofen. Die Musiker treten alljährlich bei einem abendlichen Konzert im Königsbad auf. Dafür ist einiges zu organisieren, in Zusammenarbeit mit städtischen Bediensteten. "Man merkt deren leichtes Abtauchen dabei, vor allem wenn es um die Kleinarbeit geht", rügte Kredel. Die Stadt habe da noch Potenzial, damit alles "liebevoller von der Hand geht".


Parkscheine ausgeben

Denselben Eindruck hat Monika Vieth vom Weißen Ring gewonnen. Etwas ganz Praktisches macht ihr zudem Kummer: die Parkplatzfrage. Beispielsweise, wenn eine Veranstaltung im Rathaussaal vorzubereiten ist. Für Grünert wären Parkscheine für solche Anlässe auch eine Form der Anerkennung. Die Stadt Kempten hat dies durch ausgewiesene Ehrenamtsparkplätze an häufig benötigten Stellen zu lösen versucht.
Eine aktuellen Wunsch brachte Christof Busch von der Baptistengemeinde vor: professionelle, interkulturell ausgerichtete Schulungen für in der Flüchtlingsarbeit Engagierte, die von der Stadt vor allem für kleine Gruppierungen angeboten werden sollten.