Michael Busch

Es ist eine ungewöhnliche Verleihung. Da erhält ein katholischer Journalist, der Jura studiert hat, aus den Händen eines Vertreters der protestantischen Fakultät der Erlanger Friedrich-Alexander-Universität den Doktortitel ehrenhalber. Doch wer sich mit dem Lebensweg und dem beruflichen Werdegangs von Heribert Prantl beschäftigt hat, der findet das alles gar nicht mehr so ungewöhnlich.
Die Verleihung dieser Ehrendoktorwürde war der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 50-jährigem Bestehen der christlichen Publizistik an der Universität. Prof. Dr. Heribert Prantl erhielt als Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung die Ehrendoktorwürde verliehen für seine Leitartikel zu den großen christlichen Feiertagen, in denen er sich in herausragender Weise mit aktuellen Fragen des Glaubens auseinandersetzt.


Luther ohne Twitter

Professorin Johanna Haberer erklärte in ihrer Laudatio auf den bekannten Journalisten: "Durch seine Arbeit als politischer Journalist und zeitgeschichtlicher Kommentator verdeutlicht Prantl, wie tief die christliche Auslegungsgeschichte in der deutschen Gesellschaft verankert ist." Nach der Verleihung durch den Sprecher des Fachbereichs Theologie, Prof. Dr. Wolfgang Schoberth, bedankte sich der geehrte mit einem Vortrag zum Thema "Die Bibel und die Verfassung - was Theologen und Journalisten verbindet".
Hintersinnig, feinfühlig, manchmal zynisch, nie belehrend, oft humorvoll, vollzog Prantl diese Verbindungen der beiden Gruppen, vor allem auch in der gegenwärtigen Zeit. So stellte er fest: "Martin Luther brauchte keine Krücken wie Facebook und Twitter, damit man seine Genialität erkennen konnte!"