Erlangen — Jubiläum im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg: Zum 300. Mal transplantierten die Experten eine Lebendnierenspende. "Wir sind jeden Tag dankbar, dass mein Mann meine Niere gut angenommen hat", sagte Gertrud W. aus Oberfranken jetzt bei der abschließenden Kontrolluntersuchung.
Die 51-Jährige hatte laut einer Pressemitteilung ihrem Ehemann Ralf W. im Herbst vergangenen Jahres eine Niere gespendet. Der Grund: Die mittlere Wartezeit für eine Organspende beträgt inzwischen mehr als sechs Jahre - diese lange und ungewisse Zeit an der Dialyse wollte die Ehefrau ihrem 53-jährigen Mann ersparen.
Im Jahr 2014 wurden im Universitätsklinikum Erlangen Nierentransplantationen von 21 Lebendspendern und von 51 Verstorbenen durchgeführt. "Die Lebendspende gewinnt aufgrund des Rückgangs der postmortalen Organspenden zunehmend an Bedeutung. Bereits nahezu jede dritte transplantierte Niere stammt von einem lebenden, dem Nierenkranken nahe stehenden Menschen", sagt Prof. Kai-Uwe Eckardt, Leiter des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg.
Ralf W. erfuhr im Alter von 38 Jahren, dass er die Nierenfunktionsstörung seines Vaters geerbt hat. Erste Zysten in beiden Nieren waren damals bereits festzustellen. Im Dezember 2013 kam es zu einer Einblutung der Zysten, der Kreatininwert stieg permanent - ein Zeichen für eine abnehmende Nierenfunktion: "Ich bin immer müder geworden, hatte Konzentrationsstörungen und ein Jucken auf der Haut." Trotzdem versuchte er, sein Leben so normal wie möglich weiterzuführen. "Aber die häufigen Kontrollen waren sehr belastend", sagt Gertrud W., "bei jeder Verschlechterung fragt man sich: Warum?"
Der Zustand ihres Mannes verschlechterte sich weiter, die Nierenfunktion sank kontinuierlich. Trotz einer anderen Blutgruppe kam Gertrud W. als Spenderin für ihren Mann in Frage. "Verschiedene Blutgruppen sind kein Hinderungsgrund mehr für eine Transplantation", sagt Prof. Eckardt. Im Idealfall gelingt es, eine Lebendspende durchzuführen, kurz bevor eine Dialyse notwendig wird.
Im Falle von Ralf W. war dieser Zeitpunkt im Oktober vergangenen Jahres erreicht. Die Ärzte entnahmen der Ehefrau eine Niere, die Ralf W. direkt transplantiertet wurde. Sein Körper nahm die Niere gut an. "Obwohl die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger meistens nicht übereinstimmen, ist die Prognose einer Lebendnierentransplantation aufgrund der sorgfältigen Vorbereitung und der kurzen Dauer zwischen Nierenentnahme und Transplantation besser als bei der Transplantation der Niere eines Verstorbenen", erklärt Prof. Eckardt.
Heute, nach erfolgreicher OP und Reha, fühlt sich Ralf W. täglich fitter. Auch sein 76-jähriger Vater Joachim W., der seit 22 Jahren mit einer fremden Niere lebt, ist erleichtert: "Ich bewundere meine Schwiegertochter sehr. Sie hat keinen Moment gezögert. Ich hatte seinerzeit das Glück, die Niere eines Verstorbenen zu bekommen."
1966 wurde in Erlangen die erste erfolgreiche Nierentransplantation in Bayern durchgeführt. red