Stephan Herbert Fuchs

Nun muss er doch die fast 500 Kilometer aus Salmtal in Rheinland-Pfalz nach Kulmbach anreisen, der Mann, der im Internetauktionshaus Ebay einen Überrollbügel und ein Stoßstangenhorn für einen Fiat kaufen wollte. Das Geld, 250 Euro, hatte er einem 29-jährigen aus dem Landkreis Kulmbach längst überwiesen, die Kfz-Teile sind jedoch nie angekommen.
Wegen Betrugs fand sich der 29-Jährige jetzt auf der Anklagebank des Kulmbacher Amtsgerichts wieder. Ein Urteil gab es jedoch nicht, stattdessen wird es demnächst einen neuen Verhandlungstermin geben.
Er habe die Teile in Neuenmarkt Ende Dezember 2014 an der Poststelle aufgegeben, behauptete der Angeklagte und rückte davon auch während der ganzen Verhandlung nicht mehr ab. Nachdem er zwei Wochen nichts vom Käufer gehört habe, sei er davon ausgegangen, dass alles in Ordnung ist.
Umso größer sei seine Verwunderung gewesen, als nach sechs oder sieben Wochen plötzlich eine SMS mit der Rückforderung von 250 Euro bei ihm ankam. Das Paket sei doch versichert gewesen, wunderte sich der Angeklagte, einen Einlieferungsschein habe er freilich nicht mehr. Rückfragen bei DHL hätten ergeben, dass auch dort die Daten längst gelöscht seien. Lediglich die Beschäftigte der Postagentur hätte sich noch an das sperrige Paket mit seinen ungewöhnlichen Maßen erinnern können.


Fünf Wochen lang gemahnt

Ganz entgegen dieser Aussage war allerdings der E-Mail-Verkehr zwischen dem Angeklagten und dem vermeintlichen Käufer aus Salmtal verlaufen, den Amtsrichterin Sieglinde Tettmann verlas. Daraus ging hervor, dass der Kaufinteressent fünf Wochen lang immer wieder in regelmäßigen Abständen das Ausbleiben der Teile moniert hatte. "Wieder nichts angekommen, wo bleiben die Teile?", schrieb der Mann immer wieder, während der Angeklagte stets darauf verwies, dass er alles weggeschickt habe.
Nachdem der Angeklagte weiter nicht auf die Mahnungen eingegangen war, entschied das Gericht, dass der Käufer nun doch gehört werden muss. Für den Angeklagten könnte es um einiges gehen, da der Mann bereits wegen Betrugs vorbestraft ist. Weil er getankt hatte, ohne zu bezahlen, hat ihn das Amtsgericht bereits vor zwei Jahren zu einer Geldstrafe verurteilt.
Die Verhandlung wurde schließlich ausgesetzt, ein neuer Termin wird von Amts wegen bestimmt. Dann muss auch der vermeintliche Käufer aus dem fast 500 Kilometer entferntem Salmtal anreisen.