2017 steht ganz im Zeichen der Bundestagswahl. Jetzt ist auch die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) Kulmbach-Lichtenfels offiziell in den Wahlkampf gestartet. Thomas Müller aus Burgkunstadt, Vorsitzender des Kreisverbands, hatte hierzu Landesvorsitzenden Klaus Mrasek in die "Kommunbräu" eingeladen, der über die Wirtschaftspolitik der ÖDP referierte.
Nach dem Motto Mahatma Gandhis ("Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier") plädiere die ÖDP dafür, die Probleme Energie, Ressourcen und Abfall nicht mehr länger zu ignorieren, so der Landeschef. Dazu kämen Landflächenverlust, aufgeblähte Finanzmärkte, Niedriglöhne und Leiharbeit - die Arbeitnehmer seien gezwungen, alles dem Wirtschaften unterzuordnen. "Die Arbeit muss steuerlich weniger belastet werden als das Kapital, und es ist an der Zeit, dass wir die menschengerechten Faktoren des Wohlstandes fördern."
Wohlstand definiert die ÖDP aber nicht nur in materieller Hinsicht. Auch Zeit und Beziehungen seien wichtig. "Aufgrund der einseitigen Orientierung hin zum materiellen Wachstum ist jeder im Stress und wir steuern auf eine Beziehungsarmut hin." Die Industrie profitiere von der Gesellschaft insgesamt durch gut ausgebildete Schüler, Studenten, Arbeitskräfte oder Infrastruktur, alles finanziert durch den Steuerzahler." Somit hätten Konzerne nicht nur gegenüber ihren Mitarbeitern, sondern gegenüber der ganzen Gesellschaft eine Verantwortung.


Für einen Wohlstandsindex

Um die Wirtschaftswelt gerechter zu gestalten, ist die ÖDP für die Einführung einer Transaktionssteuer, Banken sollten auf ihre ursprüngliche Aufgabe der Kontenverwaltung und Finanzierung der Wirtschaft zurückgeführt werden. "Das Bruttoinlandsprodukt der Welt beträgt 70 Billionen Euro", sagte Klaus Mrasek, "dagegen steht ein Überbau der Finanzwirtschaft in Höhe von 700 Billionen Euro, vollkommen losgelöst von jeder wirtschaftlichen Tätigkeit." Das kapitalwirtschaftliche System sei verfassungswidrig. Daher favorisiert die ÖDP die Idee, das Bruttoinlandsprodukt durch eine andere Messgröße zu ersetzen: den Nationalen Wohlstandssindex. "In den sind alle drei Wohlstandsbereiche eingepackt. Und dann wünsche ich mir, dass er täglich vor der Tagesschau ausgestrahlt wird", sagte Mrasek.
Es verstehe sich von selbst, dass solche Programme und Ideen mit einem unverfälschten Umweltschutz Hand in Hand gehen müssten. "Wir brauchen eine echte Offensive in der Energiewende, die nicht ständig ausgebremst wird, und einen aktiven Bodenschutz", sagte Mrasek. Seiner Meinung nach sollte bis 2026 der Flächenverbrauch jährlich um zehn Prozent reduziert werden, dann sollte Schluss sein mit der Flächenversiegelung. Der Redner zitierte hier den Kabarettisten Gerhard Polt: "Irgendwann wird es heißen: Unter dieser Asphaltschicht befand sich Bayern."


Die Schöpfung bewahren

Der Naturschutz hat auch beim Bundestagskandidaten im Wahlkreis Priorität. "Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung" lautet das Motto von Thomas Müller, der in Burgkunstadt als Apotheker arbeitet. Auf lokaler Ebene begrüßt er die Initiative zur Elektrifizierung der Eisenbahn im Bereich Hochstadt-Kulmbach-Bayreuth, denn "das ist ganz wichtig und längst überfällig".
Weiterhin liegt dem Kandidaten die soziale Gerechtigkeit am Herzen. "Der Anteil derer, denen es nicht so gut geht, wird immer größer." Die ÖDP kenne die notwendigen Antworten auf die aktuellen Probleme und sei als die wirkliche Alternative in Deutschland zu sehen.
Um noch mehr Bürger von den Ideen zu überzeugen, kündigte er weitere Veranstaltungen zu den Themen Rente und Gesundheit an.