von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — Eine eigene Qualität hatte am Mittwoch die Schöffengerichtssitzung im Amtsgericht. Zur Verhandlung stand die Bestimmung eines Strafmaßes für einen 25-jährigen Mann aus dem Raum Michelau. Geständig war er, einsichtig wirkte er auch. Aber 80 getätigte Rauschgiftgeschäfte und der Besitz kinderpornografischer Bilder waren die schwerwiegende Kehrseite.
Die Verteidigerin, Anett Raumschüssel, stellte in ihrem Plädoyer fest, dass eine Haftstrafe ohne Bewährung ihren Mandanten arbeitslos machen würde und dass mit abzuarbeitenden Auflagen mehr gedient sein dürfte. Zwei Jahre Haft auf Bewährung hielt sie für vertretbar, zehn Monate weniger als Staatsanwalt Michael Imhof. Für 25 Minuten sollte sich das Gericht unter Vorsitz von Ortwin Jaunich zur Beratung zurückziehen, um all das Gehörte einzuordnen.


Immer größere Mengen

Hinter dem Fachbegriff Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge steckte bei dem Angeklagten eine Tätigkeit, die er 2012 aufnahm. 30 Mal zu je zehn Gramm für den Grammpreis von 13 Euro erwarb er Marihuana. Im Folgejahr tat er das wieder und kaufte überdies auch kleinere Mengen. Aber dann erfuhr sein Tun auch eine Steigerung: 100 Gramm, 200 Gramm, 300 Gramm.
Sein Erwerb habe, so Imhof, "der gewinnbringenden Absicht" gedient. Ein weiterer gewichtiger Vorwurf lag im Besitz von 141 Bilddateien, die eindeutig auch sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen. "Das ist soweit alles richtig. Die Sache mit dem Rauschgift, da stecke ich schon relativ lange drin", gab der junge Mann bereitwillig und unaufgeregt Auskunft.


Selbst verstärkt konsumiert

"Verlockende Angebote" habe er von Lieferanten erhalten, dadurch sei er tiefer in die Sache hineingeraten. Irgendwann habe er selbst verstärkt konsumiert und "bleibende Schäden" davongetragen. Eindringlich schilderte der Mann, wie peinlich ihm das Geständnis, Gefallen an Kinderbildern zu haben, gegenüber seinen Eltern gefallen war. "Ich hab mich geschämt dafür. Dass ich das meinen Eltern sagen musste, war schon schwer genug."
Sein Problem scheint der Mann angepackt zu haben, denn er hat sich in Gruppentherapiesitzungen begeben. Zwei Zeugenaussagen von einem Kriminalbeamten und der ehemaligen Freundin des Mannes bestätigten nur, was der Beschuldigte ohnehin eingestand. So fiel auch das Plädoyer Imhofs eindeutig aus, wenngleich er bedauerte, dass es zum glaubhaften Unrechtsbewusstsein des 25-Jährigen auch eines Gerichtsverfahrens bedurft hätte.


Urteil nach Beratung

Der Schuldspruch kam nach 25 Minuten Beratung und lautete auf zwei Jahre Haft auf Bewährung, mit gleich langer Bewährungszeit.
Zudem ist der Verurteilte verpflichtet, 2000 Euro Bewährungsauflage zu zahlen und sich verpflichtend in Psychotherapie zu begeben.