Im Rahmen eines würdigen Festabends, in dessen Mittelpunkt sowohl das Singen im Chor als auch zahlreiche Ehrungen standen, feierte der Gesangverein 1896 Fölschnitz sein 120-jähriges Bestehen. Die mitwirkenden Chöre, die Chorgemeinschaft Forstlahm-Kauerndorf (Leitung Hermann Hamacher), die Singgemeinschaft Heinersreuth-Ködnitz (Leitung Lisa Stenglein) und der gastgebende Gesangverein Fölschnitz mit Chorleiter Alexander Thern sorgten für die musikalischen Highlights des Festabends. Mit Barbara Semlinger, Max Semlinger und Renate Maiwald hat der Gesangverein 1896 Fölschnitz drei neue Ehrenmitglieder.
"Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder." Mit diesem alten Sprichwort begann die aktive Sängerin Beate Mau ihren historischen Rückblick. 32 Männer waren es im Jahr 1896, die sich in Fölschnitz zusammenfanden, um einen Gesangverein zu gründen. Die Gründungsmitglieder spiegelten damals auch die dörfliche Struktur wider: Ökonomen und Handwerker. Großer Wert wurde damals auf pünktliches und vollzähliges Erscheinen bei den Proben gelegt. Beate Mau: "Wer zum Beispiel ohne triftigen Grund Proben vernachlässigte, wurde aus der Zahl der aktiven Mitglieder gestrichen." Eine Vorgabe, die heute undenkbar wäre und wohl schon längst das Aus für viele Chöre bedeutet hätte. Die beiden Weltkriege brachten das Sängerleben im Ort vollständig zum Erliegen, und am 13. März 1948 fand die Wiedergründungsversammlung auf Initiative und Einladung von Karl Müller in der Gastwirtschaft Jahreis statt. Danach ging es mit dem Gesangverein Fölschnitz wieder bergauf.


Aufschwung dank Flüchtlingen

Als Ursache für die erfreuliche Entwicklung nannte Beate Mau die vielen Flüchtlinge, die in Fölschnitz ein neues Zuhause fanden und sich dem Gesangverein anschlossen. Fritz Nützel prägte damals das Erscheinungsbild des Vereins und Horst Degelmann, der Anfang der 60-iger Jahre die Leitung der Chöre übernahm, setzte neue Schwerpunkte, denn er nahm verstärkt konzertante Chormusik ins Repertoire auf.
Beate Mau hob auch die Gründung eines Kinder- und Jugendchores durch Ingeborg Degelmann hervor und verwies darauf, dass mit Konrad Fischer und Günther Wild weitere Chorleiter folgten. 2013 legte Günther Wild nach 24 Jahren erfolgreichen Wirkens den Dirigentenstab in die Hand von Alexander Thern.
120 Jahre Gesangverein Fölschnitz sind nach den Worten des stellvertretenden Vorsitzenden des Sängerkreises, Erhard Hildner, ein Grund zur Freude und zu feiern. Hildner überbrachte auch die Grüße und Glückwünsche des Kreischorleiters Heiner Beyer und des Fränkischen Sängerbundes. Der Gesangverein Fölschnitz könne auf eine reiche Geschichte zurückblicken und Erhard Hildner machte deutlich, dass Musik und Gesang den Menschen ansprechen: "Beim Singen können wir Gemeinschaft erfahren, denn Gesang und Musik gehören zu den Kräften, die uns Lebenssinn und Lebensinhalt geben." Hildner würdigte vor allem das ehrenamtliche Wirken der Mitglieder im Vereinsvorstand mit Gerhard Maiwald an der Spitze.
Landrat Klaus Peter Söllner freute sich, bei dem großen Tag dabei sein zu können: "120 Jahre Gesangverein Fölschnitz, das ist ein Anlass zum Feiern und unsere Fölschnitzer haben eine beeindruckende Geschichte hinter sich." An die Adresse von Gerhard Maiwald sagte Söllner: "Es macht auch stolz, einen solchen Verein zu führen." Mit launigen Worten gratulierte Zweiter Bürgermeister Hermann Popp zum Jubiläum. Werner Reißaus