Die Frühkirschen-Saison war wegen des regenreichen Junis weitgehend ausgefallen - jetzt hoffen bayerische Obstbauern auf die späten Sorten. Bei beständigem und trockenem Sommerwetter können sich Verbraucher in den nächsten zwei bis drei Wochen auf saftige und pralle Süßkirschen aus den ober- und mittelfränkischen Anbaugebieten freuen.
Insgesamt zeichne sich in Bayern heuer eher ein durchschnittliches Obstjahr ab, urteilen die Fachleute. 90 Prozent des bayerischen Steinobsts stammt aus Franken. Die Aussichten im Einzelnen:
Frühe Kirschsorten waren in diesem Jahr eine Seltenheit auf den Märkten und in den Supermarktregalen. Denn der verregnete Juni hat die Kirschen aus den Hauptanbaugebieten in Unterfranken und am Untermain aufplatzen lassen. Viele seien am Baum verfault, berichtet der Geschäftsführer des Vereins Fränkischer Obstbauern, Thomas Riehl.
"Der Großteil war einfach nicht zu ernten gewesen", bestätigt auch der Fachberater für Obstanbau im Obstinformationszentrum Hiltpoltstein, Hans Schilling.
Mittlere und späte Sorten: Die Ernte beginnt jetzt - und der Blick in die Kirschgärten stimmt die Fachleute zuversichtlich. "Wenn es jetzt weiter sonnig bleibt, rechnen wir bei diesen Süßkirschensorten mit einer Spitzenqualität", sagt Schilling. Der regenreiche Juni habe - anders als im trockenen Vorjahr - große, saftige Früchte ausgebildet, die Sonne zuletzt für die Süße gesorgt. Verbraucher werden nach Schillings Schätzung für das Kilo zwischen 4,00 und 4,50 Euro auf den Ladentisch legen müssen.
Erdbeeren: Die Saison war nach Angaben Riehls für die Bauern ein Desaster. Wegen des verregneten Junis verfaulten viele Erdbeeren an der Pflanze. "Ein Drittel der Früchte konnte gar nicht geerntet werden." Das verknappte zwar das Angebot. "Da aber auch viele Menschen offenbar wegen des schlechten Wetters weniger Lust auf Erdbeeren hatten, ging auch die Nachfrage zurück." Viele Erdbeerbauern seien daher kaum auf ihre Kosten gekommen.
Zwetschgen: Für sie dürfte 2016 kein gutes Jahr werden. "In der Blüte gab es zu viel Regen. Der Blütemonat April war zu nass und zu kalt. Das ist einfach Stress für die Pflanze", berichtet Obstexperte Riehl.
Und selbst wenn die Bestäubung klappte, hat der Dauerregen später oft Fruchtansätze vom Baum geschlagen. Bei den wenigen Zwetschgen, die es doch noch zur Reife brachten, erwartet die Verbraucher dafür eine Spitzenqualität - wegen des geringen Angebots allerdings auch zu Spitzenpreisen.
Beerenobst: Bei Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren und Heidelbeeren können sich die bayerischen Verbraucher auf ein gutes Jahr einstellen. Die meisten Beerenarten blühten später als das Kernobst.
Zudem seien Beeren - anders als Steinobst - Selbstbestäuber. "Sie sind also nicht darauf angewiesen, dass Insekten die Pollen übertragen", erläutert Riehl. "Wir haben bisher jedenfalls keine Ausfälle." Da die Haupternte gerade beginne, dürfte das einheimisches Beerenobst in den nächsten Tagen verstärkt in den Supermärkten angeboten werden.
Äpfel: Ganz gut sieht es auch bei den Apfelkulturen aus, zumindest in Regionen mit guten Befruchtungsbedingungen im Frühjahr. Die Äpfel profitierten davon, dass sie meist später im Frühjahr blühten als Kirschen und Zwetschgen. Zudem sorgte der regenfeuchte Boden - anders als im trockenen Vorjahr - für die Ausbildung großer Früchte. Jetzt braucht es noch Wärme und Sonne. "Trotzdem rechnen wir in diesem Jahr maximal mit einem durchschnittlichen Apfeljahr", sagt Obstbauexperte Riehl. dpa