Wie geht man damit um, dass der eigene Vater einer der Hauptverbrecher des NS-Regimes gewesen ist? Mit dieser Frage setzt sich der renommierte Buchautor und Journalist Niklas Frank in seiner Lesung mit anschließender Diskussion am Donnerstag, 4. Mai, um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Bad Kissingen auseinander.
Niklas Frank ist der Sohn des NS-Politikers Hans Frank, der zwischen 1939 und 1945 als Generalgouverneur im von Deutschland besetzten Polen an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt war. Unter seiner Herrschaft starben sechs Millionen Menschen. Er war politisch verantwortlich für die Vernichtungslager Treblinka, Majdanek, Belzec und Sobibor und erlangte als "Schlächter von Polen" traurige Berühmtheit. In seinem Dienstsitz in Krakau hielt Frank herrschaftlich Hof und inszenierte sich als König von Polen. Er nutzte die ihm zur Verfügung stehende Macht zu seinem Vorteil skru-pellos aus, bereicherte sich an der polnischen Staatskasse und raubte für sich Kunstschätze. Im Nürnberger Prozess wurde Hans Frank 1946 zum Tode verurteilt und gehängt.


Schuldgefühle

Niklas Frank, geb. 1939, genoss als Kind zwar das privilegierte Leben als Sohn des mächtigen Vaters, litt aber bereits damals unter starken Schuldgefühlen. Bei der Hinrichtung seines Vaters war er sieben Jahre alt. Nach dem Abitur studierte Frank Germanistik, Soziologie und Geschichte. Als Journalist arbeitete er für Playboy und Stern. Drei der vier Geschwister von Niklas Frank blieben bis zu ihrem frühen Tod Nazis. Sie verteidigten ihren Vater als unschuldiges Opfer von Hitler und Himmler. Niklas Frank ging einen anderen Weg als seine Geschwister. Mit dem Buch "Der Vater. Eine Abrechnung" outete er sich 1987 als Sohn eines Nazimörders und erzählte offen über die Verbrechen seines Vaters und den Umgang damit in seiner Familie. Frank rekonstruierte das Leben seines Vaters aufgrund jahrelanger Recherchen, in deren Verlauf er erkennen musste, welch ungeheures Ausmaß dessen Verbrechen hattzen. Niklas Frank freut sich auf eine anregende Diskussion nach seiner Lesung. Karten zum Vortrag gibt es an der Abendkasse. red