Zum Bericht "Ich sehe Forchheim als Ganzes" vom 4. Mai:

Was ist nur in die Forchheimer Bürger und ihre Vereine gefahren? Zeigen doch viele von ihnen, nach Meinung von OB Uwe Kirschstein, ein Verhalten, das er so "nicht tolerieren kann". In der Jahreshauptversammlung der SPD machte er seinem Herzen kräftig Luft.
Er sieht sich von meckernden Bürgern umgeben, die "gerne die Arbeit auf die Stadt abwälzen" und ein unangemessenes Anspruchsdenken zeigen, das er "so noch nie erlebt" habe.
Haben sich die Forchheimer so gravierend verändert, seit OB Uwe Kirschstein im Amt ist? Ist der Ansturm von meckernden Bittstellern tatsächlich so unangemessen oder ist das ein rein persönliches Gefühl des Oberbürgermeisters?
Vielleicht erinnert sich der ein oder andere Bürger an das Wahlversprechen der Bürgernähe und ist verwundert, wenn kritische Fragen als "meckern" gesehen werden. Auch als Retter von Vereinen sieht sich Kirschstein nicht. Vereine, die bei ihm wegen Mitgliederschwund geklagt haben sollen, will er mit einem harten "Aus die Maus" begegnet sein. Bei dieser Art von Bürgernähe wird die Anzahl an Ratsuchenden bald überschaubar werden.
Mit genau 1615 vorgerechneten Terminen weist Kirschstein auf die Fülle der Arbeit hin, die er erledigt. 1615 Termine in 57 Wochen bedeuten eine Zahl von etwa 28 Terminen in der Woche. Ist das zu viel für ein Stadtoberhaupt? Wie viele Menschen in Forchheim leisten Ähnliches und oft auch auf sehr hohem Niveau? Nicht die Zahl der Termine entscheidet über den Erfolg.
Diesen Erfolg zu beurteilen ist Aufgabe des Stadtrates. Das angespannte Verhältnis zwischen OB und großen Teilen des Stadtrates ist durch mangelnden Informationsfluss bestimmt. Wie oft treffen sich die Vorsitzenden der Fraktionen des Stadtrates mit ihrem Oberbürgermeister? Dieser müsste regelmäßige Treffen vereinbaren. Dort könnten alle, die für das Wohl der Stadt Verantwortung tragen, sich vertrauensvoll im geschlossenen Kreis austauschen und informieren.
Im Kreis der gewählten Stadträte hätte der Oberbürgermeister seine Vorwürfe vortragen müssen. Stattdessen hat er die Versammlung seiner Parteifreunde benutzt, um mit seinen Bürgern und seinen Gegnern im Stadtrat abzurechnen. Prompt kam deren deutliche Reaktion. So einen Schlagabtausch sollten die Verantwortlichen erst einmal unter sich ausmachen.
Es ist die Aufgabe eines Dirigenten, sein Orchester zu harmonischem Spiel zu führen. Auch eigenwillige Solisten lassen sich von einem souveränen Dirigenten überzeugen. Wenn der Dirigent die richtige Musik auswählt, die das Orchester gut spielt, weil es informiert ist, dann sind die Ansprüche des (Wahl-)Volkes zufriedengestellt und die Kritik verstummt.

Hansotto Neubauer
Forchheim