von unserem Mitarbeiter Günther Geiling

Ebelsbach — Als "besonderes Konzert" und als ein kultureller und musikalischer Leckerbissen" angekündigt, hatte die Kultur- und Kirchengemeinde Ebelsbach nicht zu viel versprochen. Was das "Saxophon-Quartett" und "Vocal Harmony" den Besuchern in der Magdalenenkirche boten, übertraf die Erwartungen, und die Vielfalt des Programms wurde sicherlich für alle zu einem Erlebnis. Der lang anhaltende Beifall der 150 Zuhörer war dafür nur der äußere Dank.
Für so manchen Besucher war schon der Auftritt von zwei Gruppen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, eine Herausforderung. Für die Sänger und Musiker war das aber kein Problem, denn sie ergänzten sich in der Auswahl ihrer Stücke, und ebenso gelang es ihnen in einer besonderen Harmonie gemeinsam so manches Arrangement den Zuhörern zu präsentieren.

Riesiges Klangspektrum

Den Auftakt machte das "Eurode Saxophon Quartett" unter der Leitung von Hans Zegers ganz klassisch mit der "Toccata in d-moll" von Johann Sebastian Bach. Schon nach den ersten Tönen spürte man, dass Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon ein riesiges Klangspektrum aufweisen und die Arrangeure geradezu zu einer virtuosen Bearbeitung herausfordern. Ursprünglich als Orgelwerk geschrieben, bot die Toccata auch den Saxophonen in allen Stimmen technisch anspruchsvolle Stellen, die sie mit überzeugender Leichtigkeit meisterten.

Vom Swing zur Polka

Das Saxophon, das ja auch im Jazz zu Hause ist, bot natürlich den passenden Sound für den südlichen Swing bei dem Stück "Welcome to New Orleans". Wie vielseitig Saxophone eingesetzt sein können, das spürte man bei der locker leichten "Pizzicato-Polka" von Johann Strauß. Aber auch mit gefühlvollen Stücken und Passagen wartete das Quartett auf, bot temperamentvolle Episoden mit rasanten Tempowechseln. Auch die Klangfärbungen waren sehr unterschiedlich. Da hörte man einen breiten Blasebalg, dann wieder Passagen, in denen sich der Sopransaxophonist vorwitzig in den Vordergrund schob.
Beide Ensembles gestalteten die Programmfolge sehr abwechslungsreich und dann auch noch gemeinsam mit Ohrwürmern wie "Chanson d`amour" oder "Mein kleiner grüner Kaktus", die selbst in der Kirche die Zuhörer fast von den Bänken rissen.

Tolle Arrangements

Die Sänger von "Vocal Harmony" aus Kerkrade stimmten ihrerseits a capella in viele Kompositionen und Arrangements ein, die regelrecht ins Ohr gingen. Dabei waren einige Arrangements ihres musikalischen Leiters und Dirigenten Jan Gouders wie "oj ti duso, duse moje" oder "lipa", einem jugoslawischen Volkslied entsprechend unserem "Lindenbaum". Ausdrucksvoll wirkte der Gesang, der die fallenden Blätter erahnen ließ und die Hoffnung auf den Frühling spürbar machte. Dieses Erblühen spürte man sogar in der Darbietung vom "pianissimo" bis zum "Crescento forte".
Die zwölf Sänger hatten Lieder aus den verschiedensten Ländern im Repertoire, und sie fesselten die Zuhörer immer wieder. Dabei waren auch Lieder, die dem kirchlichen Ort entsprachen, wie die "Legende der zwölf Räuber": Ein Räuberhauptmann verlässt seine Bande und zieht ins Kloster ein. Den Hintergrund prägte da der vielstimmige, summende Sound des Chores, während der Bass die Geschichte des Räuberhauptmanns erzählte und endete: "Zum Herr Gott wollen wir beten". Diesem Hörgenuss folgte gleich das weltberühmte "Halleluja" von Leonhard Cohen, das unter den vielen Halleluja-Arrangements Weltruhm erlangte, von weltberühmten Stars wie Bon Jovi gesungen wird und sogar in Filmen erklingt. Natürlich brandete hier Beifall auf.

"Wir greifen an"

Der Bogen spannte sich dann hinüber nach Afrika und in die Neue Welt. Dies geschah mit dem Freiheitslied aus Südafrika "Tshotsholoza", das 1959 von Todd Matshikiza komponiert wurde. Das Zulu-Wort bedeutet dabei etwa "mutig nach vorne schauen" oder "wir greifen an" und geht auf die Ndebe-Bergarbeiter aus dem damaligen Rhodesien zurück. "Man muss auf den Zug nach Südafrika springen, um in die Freiheit zu gelangen", heißt es, und der Chor machte das Zuggeräusch deutlich. Ganz anders dann wieder das profane Lied von Hans Blum "wenn Zigeuner Hochzeit machen". Stimmungsvoll wurde es in der Kirche, die an diesem Abend ein Konzertsaal war und dazu, wie die Besucher merkten, eine hervorragende Akkustik bietet. "What a wonderful world", natürlich bekannt durch Louis Armstrong, hier aber in einer Bearbeitung von Dirigent Jan Gouders, ging in die Ohren.
"I see trees of green, red roses too" oder "ich sehe grüne Bäume, rote Rosen; sie blühen für dich und mich". Das Abschlusslied hätte nicht besser ausgesucht werden können: "Good night sweetheart, well, it's time to go".