Haßfurt — Zu einem Strafprozess wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht Haßfurt erschien nur der Pflichtverteidiger der Angeklagten, der Rechtsanwalt Christian Merkel. Das Verfahren nahm einen außergewöhnlichen Verlauf.
Der Anwalt erklärte, dass seine Mandantin nicht kommen könne, weil sie sich bei einem Arzt befinde. Entsprechende Unterlagen könnten nachgereicht werden, sagte er. Die Angeklagte sollte wegen Diebstahls vor Gericht erscheinen. Da weder Gericht noch Staatsanwalt auf das persönliche Erscheinen bestanden, wurde in Erwägung gezogen, das Verfahren, wie im Strafbefehl dargelegt, abzuschließen. Zuvor hielt der Rechtsanwalt mit seiner Mandantin telefonisch Rücksprache, wobei sie wohl ihr Einverständnis gab. Wie zu hören war, hat die Angeklagte bei einem älteren Mann, in dessen Haushalt sie beschäftigt war, etwa 13 000 Euro gestohlen.

Freiheitsstrafe

Laut der Strafprozessordnung kann wie folgt gehandelt werden: Ist ein Hauptverfahren bereits eröffnet, so kann im Verfahren vor dem Strafrichter sowie dem Schöffengericht die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehlsantrag stellen, wenn der Durchführung einer Hauptverhandlung das Ausbleiben oder die Abwesenheit des Angeklagten oder ein anderer wichtiger Grund entgegensteht. So geschah es dann auch. Die Angeklagte erhält ein Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Außerdem wird ihr auferlegt, den Schaden wiedergutzumachen. hw