Mitgefühl ist eine unserer menschlichsten Eigenschaften. Das Bestreben, einem leidenden Mitmenschen zu helfen, steckt in jedem von uns. Es steckt da aber auch etwas Anderes. Da ist auch die Angst, einer Situation nicht gewachsen zu sein. Das Gefühl, von etwas bedroht zu sein, weil es uns fremd ist, das wir in seiner Eigenart ablehnen und nicht in unserer Nähe haben wollen. In einem Menschen überwiegt das Vertrauen, im anderen die Angst. Beide Prägungen müssen wahrgenommen und ernst genommen werden. Wenn Politik und Medien es nicht schaffen, denjenigen, die Angst vor Überfremdung haben, diese Angst zu nehmen. Wenn wir die alleine lassen, die einfach nicht wollen, dass eine Kultur, wie sie der Islam mit sich bringt, immer mehr Raum in unserer Gesellschaft einnimmt. Dann haben wir alle Schuld, wenn diese Menschen sich den Einzigen zuwenden, die versprechen, ihnen in ihrer Angst beizustehen, den Rechten. Ihnen treiben wir diese Menschen in die Arme, wenn wir jedem den Stempel des Rassisten und Fremdenhassers aufdrücken, der angesichts der Zuwanderung besorgt oder skeptisch ist. Er muss seine Gedanken ebenso äußern dürfen wie die, die in der Zuwanderung eine Bereicherung sehen. Und er muss sich damit ernst genommen fühlen.
Es ist eine Aufgabe, deren Lösung von der "großen" Politik kaum zu erwarten ist. Sie ist schon mit einfacheren Aufgaben der Flüchtlingskrise überfordert. So bleibt auch dies eine Herausforderung für die haupt- und ehrenamtlichen Helfer an der Basis und für die Kommunalpolitik. So schwer es scheint, es muss auch diese Aufgabe noch vor Ort gestemmt werden. Es sind die Pfarrer in ihren Gemeinden, sind Bürgermeister und Stadt- oder Gemeinderäte, die jetzt ihre Bürger an der Hand nehmen müssen - notfalls wörtlich. Die zwischen ihnen und den Neuankömmlingen Kontakte herstellen, Berührungen ermöglichen müssen, die sie lehren, dass sie vor den Menschen keine Angst haben müssen, die ihre neuen Nachbarn sind. Und sie sind es leider auch, die da sein müssen, wenn es doch zu untragbaren Zwischenfällen kommt. Die zeigen müssen, dass die Gesellschaft bei Bedarf geschützt wird. So wie die Medien zeigen müssen, dass sie nichts beschönigen und nichts verschweigen. Vielleicht die schwerste Herausforderung in einer Zeit, in der jeder Lüge in sozialen Netzwerken leichter geglaubt wird als der Wahrheit in den etablierten Medien.