Christian Sigismund Arlberg bezeichnet sich selbst als "Hobbywinzer und von Beruf Sohn". Seinen Eltern gehört eine Papierfabrik, die viel Geld abwirft, und so kann er sich ganz seiner Leidenschaft hingeben: dem Weinbau auf einem kleinen Weinberg bei Zeil. Doch Arlberg ist keine reale Person, sondern eine Rolle, in die der Schauspieler Stephan Bach unter der Regie von Nina Lorenz in dem Ein-Mann-Stück "Er ist reif" schlüpft. Derzeit ist Bach mit dieser Produktion in Kooperation mit der Theaterwerkstatt Haßfurt an mehreren Abenden im Weinhaus Schaffner in Haßfurt zu sehen.


Nah dran am Publikum

Das Stück ist eine Möglichkeit, einen Schauspieler verschiedene literarische Texte unterschiedlicher Autoren vortragen zu lassen, ohne dabei eine bloße Aneinanderreihung von Kurzgeschichten und Gedichten zu präsentieren. In seiner Rolle als Christian Sigismund Arlberg setzt sich Stephan Bach zu den Gästen an den Tisch, plaudert mit ihnen und stellt sich vor, um dann Gründe zu finden, warum Arlberg nun ein zum Thema passendes Gedicht vorträgt oder eine Geschichte erzählt. Den Wein von seinem Weinberg lobt er dabei nicht besonders. "Die Qualität changiert zwischen ekelhaft und ungenießbar. Also nicht für eine Orgie geeignet." Den Gästen sagte er: "Seien Sie froh, dass das keiner von mir ist."


Es geht um dies und das...

Arlberg plaudert, dass er, als er sich dem Weinbau widmete, gerade einen Schlaganfall hinter sich hatte. Außerdem hat der Hobbywinzer eine Vorliebe für Literatur. So kennt er viele Werke bekannter Autoren, die etwas mit dem Thema Wein zu tun haben. Diese reichten von lustigen bis hin zu ernsthaften und tragischen Geschichten. Neben kurzen Texten von Robert Gernhardt, Eugen Roth oder Kurt Tucholsky erzählt Arlberg zwei längere Geschichten. Eine davon ist "Das Fass Amontillado" von Edgar Allan Poe, dem "literarischen Genie und großen Psychologen des Grauens". Poe beschreibt aus der Sicht eines Mörders, wie er sein Opfer mit der Versprechung, dort warte ein Fass eines besonders edlen und guten Weins, in einen Weinkeller lockt, um ihn dort lebendig einzumauern. Und Oscar Wildes Kurzgeschichte "Lord Arthur Saviles Verbrechen": Auch da geschieht ein Mord. Dem Protagonisten Lord Arthur wird von einem Wahrsager vorausgesagt, er werde einen Mord begehen. Um das Leben seiner Verlobten nicht zu gefährden, beschließt der Lord, die Hochzeit zu verschieben und noch vorher einen anderen Menschen umzubringen. Doch zunächst scheitern all seine Mordpläne.


Vexierspiel mit Realität

Gelegentlich unterbrach Arlberg seine Vorträge, um Parallelen zwischen den Figuren und seinem eigenen Privatleben zu ziehen oder um die Handlung zu kommentieren. "Die Idee ist letztes Jahr in Bamberg entstanden", berichtet Schauspieler Stephan Bach später im Gespräch mit der Zeitung. Dort wollte er eine Aufführung in der Vinothek "Vino e Camino" (von Obertheres nach Bamberg umgezogen) auf die Beine stellen. Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit dem Theater im Gärtnerviertel Bamberg und der Theaterwerkstatt Haßfurt. Ziel war es, verschiedene Texte, die etwas mit dem Thema Wein zu tun haben, zusammenzubringen. Außerdem versuchte Bach, Werke von Poe und Wilde unterzubringen, die er als seine "persönlichen Lieblinge" bezeichnet. Unter den Besuchern der Aufführung in Bamberg waren auch Sabine und Renee Büchner, die in Haßfurt die Vinothek und das Weinhaus Schaffner führen. Später hatten sie das Stück auch für ihr Haus übernommen. Nachdem die ersten Termine schnell ausgebucht waren, wurde das Stück noch zweimal verlängert. Eine weitere Aufführung findet am 28. Juni um 20 Uhr statt.