Stefan Schnabel aus Lichteneiche hat uns die furchtbare Geschichte erzählt, die seinen Eltern und der ganzen Familie widerfahren ist: Nur wenige Tage nach ihrer Goldenen Hochzeit, die Hermine und Peter Schnabel am 5. November gefeiert haben (der FT hat berichtet), ist Peter Schnabel am 12. November verstorben.

Herr Schnabel, wann ist das passiert?
Meine Eltern sind nach ihrem 50. Hochzeitstag zu einer Reise nach Gran Canaria aufgebrochen. Am Samstag, 12. November, ist mein Vater auf dem Heimflug verstorben. Er war erst 74 Jahre.


Sie haben uns berichtet, dass er unter dramatischen Umständen ums Leben kam.
Ja, im Flugzeug über Frankreich ist es meinem Vater plötzlich sehr schlecht gegangen. Zwei Passagiere - es waren Ärzte - kümmerten sich sofort professionell um ihn, versuchten, ihn mit Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung ins Leben zurückzuholen. Das Flugzeug ist dann in Toulouse notgelandet, damit mein Vater ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Er war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr bei Bewusstsein. Kurze Zeit später ist er gestorben.

Wie ging es ihrer Mutter?
Meine Mutter war zu diesem Zeitpunkt ziemlich hilflos, denn sie spricht weder Französisch noch Englisch. Irgendwie haben die Ärzte ihr beigebracht, dass ihr Mann tot ist. Ohne Sprachkenntnisse in einem fremden Land und in einer solchen Situation: Das war für sie der blanke Horror. Aber auch für meinen älteren Bruder Uwe und mich. Wir mussten ihr also von zu Hause aus helfen.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Wir haben versucht, meine Mutter zu beruhigen und haben den ADAC eingeschaltet. Die Leute dort haben sich sehr viel Mühe gegeben. Sie haben meine Mutter am Telefon beruhigt, den Rückflug nach Frankfurt organisiert, wo wir sie abgeholt haben, und sich auch um die Überführung meines Vaters nach Marseille gekümmert. Wir erwarten seine Urne in wenigen Wochen zu Hause. Ohne diese Hilfe würde meine Mutter vielleicht noch immer in Toulouse sitzen. Für die große Unterstützung und das, was die Helfer im Flugzeug und das Personal im Krankenhaus von Toulouse für meine Eltern getan haben, ist unsere Familie sehr dankbar.

Beschreiben Sie doch bitte Ihren verstorbenen Vater kurz.
Er arbeitete in jungen Jahren als Matrose auf einem Binnenschiff. Wahrscheinlich ist dabei seine Liebe zum Reisen erwachsen. In der Tanzbar "Zum Elefantenhaus" in der Generalsgasse lernte er meine Mutter kennen, die vier Jahre jünger und damals gerade 20 war. Gemeinsam waren sie die ersten Jahre auf einem Binnenschiff unterwegs, wo mein Vater arbeitete. Sie fuhren nach Holland, Belgien, Frankreich und die Schweiz. Ihren ersten Sohn Uwe, der 1968 geboren wurde, nahmen sie kurzerhand mit. In späteren Jahren gönnten sie sich jedes Jahr eine größere Reise. Auf den Urlaub in Gran Canaria haben sie sich schon lange gefreut. Für meinen Vater ist es die letzte Reise geworden.

Die Fragen stellte
Gertrud Glössner-Möschk