Klaus-Peter Gäbelein

Viele Menschen haben in den vergangenen Tagen Grußkarten zum "Fest der Feste" erhalten. "Frohe Festtage, fröhliche Weihnachten" stand oft darauf zu lesen. Manche Grüße und Wünsche waren vielleicht sogar christlichen Inhalts: gesegnete Weihnachten, gnadenreiche Weihnachten oder "der Schein des Kindes in der Krippe möge Dein Herz erfüllen".
Auch nach den Feiertagen trudeln noch Weihnachtsgrüße von Freunden und Verwandeten, von Bekannten oder Geschäftskollegen ein. Ein Ausweg für alle, die vor Weihnachten in Hektik verfallen, sind Grüße und Wünsche über den PC. Sie schicken zumindest eine elektronische Nachricht per E-Mail mit mehr oder weniger geschmackvollen Motiven: mit dem in rotem Mantel und Zipfelmütze gekleideten Coca-Cola-Weihnachtsmann, mit Rentierschlitten, die durch die Lüfte fliegen oder mit süßlichen Engelein, die eine armselige Futterkrippe umschwirren. Und manche Zeitgenossen lassen sich etwas ganz Besonderes einfallen: geschmacklose Mickey-Mouse-Karten mit schlüpfrigem Inhalt zu Weihnachten.
Karten und Weihnachtsgrüße, erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts in England auf den Markt gekommen, haben seither ganz Europa und auch den amerikanischen Kontinent erobert. Gleichzeitig wünscht man sich seit 130 Jahren auch per Karte ein gesundes neues Jahr.
Auch in Herzogenaurach fanden stilvolle, romantische Winterlandschaftskarten vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg regen Absatz. Bei Schreibwaren Kern (Familie Batz in der Erlanger Straße 2), bei Ellwanger, bei Pryzbilla in der Hinteren Gasse oder in anderen kleinen Krämerläden konnte man für zehn oder 20 Pfennige schwarz-weiße Karten mit winterlichen Motiven erwerben: zwei Spuren im Schnee, verschneite Tannenwälder und romantische Winterlandschaften mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.


Gedanken an weltliche Dinge

Dazu gesellten sich bunte Karten mit Glückssymbolen wie Hufeisen, Schornsteinfegern, Kleeblättern und Fliegenpilzen, mit Glücksschweinchen, mit Marienkäfern oder Glückspfennigen. Herzogenauracher Soldaten, an der Westfront im Ersten Weltkrieg im Einsatz, sandten donnernde Neujahrsgrüße an ihre Lieben in der Heimat.
Hinter all der Symbolik verbergen sich Gedanken an weltliche Dinge: an einen vollen Magen (Schwein), an genügend Futter für das Vieh (Kleeblatt), an den gereinigten Feuerabzug, der vor Bränden schützen soll (Schlotfeger), an die gefüllte Geldtruhe (Glückspfennig) oder an sonstige Genüsse, die das nach unten geöffnete Hufeisen über den Leser der Karte ausschütten soll. Nur die sieben Punkte auf dem Rücken des Glückskäfers (Marienkäfers) erinnern dabei an christliche Symbole, nämlich an die sieben Tugenden Mariens.
Und wer keine Neujahrskarten schreiben konnte oder wollte, der ging zum Neujahrwünschen zu Verwandten und Freunden. Besonders bei Kindern und Jugendlichen war diese Tradition lange Zeit äußerst beliebt, bereicherte sie doch das dürftige Taschengeld. Einige Pfennige fielen immer ab, vor allem, wenn man ein weises Sprüchlein dazu aufsagte, selbst wenn es lautete: "I bin a klaanes Pinkerle (Pickel, kleiner Kerl, Anm. d. Red.) und stell mi in a Winkele - und wall i nix kann, fang i gar nett erscht an!"