von unserem Redaktionsmitglied Ralf Kestel

Ebern — Auf knapp 41 000 Kilometer bemisst sich die Länge des Äquators. 13 000 Flugkilometer sind es bis nach Vietnam, rund 10 000 Kilometer Luftlinie zwischen Ebern und Puebla/Mexiko. Es liegen (Küchen-)Welten dazwischen, wer die dortigen Spezialitäten kosten möchte. Nicht so in Ebern. Jeweils nur einen Katzensprung vom Marktplatz entfernt, gibt es mexikanische, asiatische, türkische, südtiroler, spanische und italienische Spezialitäten. Nur wer einen Griechen sucht, muss bis ins nahe Rentweinsdorf.
Ansonsten weisen in der Kleinstadt nicht nur FTE und das Friedrich-Rückert-Gymnasium mit seinen weltweit vielen Partnerschulen internationale Bezüge auf. Bereits 1970 überrascht Familie Poli in Sandhof immer wieder mit Spezialitäten aus der Heimat von Senior Peppo (70), der aus Bruneck/Südtirol stammt, aber schon in frühen Jugendjahren auf Wanderschaft ging. Nach mehreren Stationen, unter anderem in Regensburg und Staffelstein, hörte er als Bedienung im legendären "Ciao ciao" in Breitengüßbach, wo nicht nur Goethe schon seine Zelte aufgeschlagen hatte, von der freien Gaststätte in Ebern, wo er sein Glück in mehrfacher Hinsicht fand und zum Sportmäzen und Laien-Schauspieler aufstieg.

In zweiter Generation

In zweiter Generation führt Sohn Christian (37) nun das Restaurant, das überregionalen Ruf besitzt. Die Familie ist in Ebern bestens verwurzelt, was sich allein an der Tatsache ablesen lässt, dass Christian sogar in den Stadtrat gewählt worden war. Der Biergarten mit seinem alten Baumbestand und Pizza aus dem Holzofen sind ebenso beliebt wie die moderne Pension, die von Übernachtungsgäste so stark nachgefragt wird, dass die Belegungsquote schon fast zu Erweiterungsplänen des Zwölf-Mann-Betriebes reizt. "Aber wir wollen erst einmal den Bestand erhalten und verbessern", dämpfen Christian und Katrin, Eltern zweier schulpflichtiger Söhne, allzu überschwängliche Erwartungen.
Eigentlich wollte er ein Motorrad kaufen, als er 1973 nach Ebern kam. Ob es nicht ansprang? Der Spanier Luis Martinez blieb jedenfalls damals hängen, fand eine Arbeit bei Kugelfischer und auch seine Ehefrau. "Damals sind viele Spanier hier geblieben", erinnert sich heute der 66-Jährige, der 1994 vom Fabrikarbeiter zum Gastronom umsattelte. "Wir sind in Ebern gut aufgenommen worden", blickt Luis zufrieden zurück. "Schließlich ist mein Sohn hier schon geboren und aufgewachsen."

Am zweiten Standort

Zunächst führte er das "Kleeblatt" am Marktplatz, ehe er Richtung FTE-Parkplatz umzog. Dort wartet nicht nur ein ruhig gelegener Biergarten, wo gelegentlich auch Musikabende stattfinden, auf die Besucher, von dort aus startet auch der beliebte Lieferservice mit mediterranen Köstlichkeiten. Paella und Kalamaris zählen zu den Spezialitäten.

Straße ausgewiesen

Vier Mitarbeiter zählt der Gastronomiebetrieb an der Kapel-lenäckerstraße, die eigens für das Restaurant ausgewiesen wurde. Die Belegschaft war auch schon mal größer gewesen. "Wir hatten schon acht Beschäftigte gehabt", blickt Luis Martinez zurück und sein Ausblick fällt auch nicht eben positiv aus: "Lang mach' ich nimmer."
Zu einer Erfolgsgeschichte mauserte sich der Wechsel der Familie Karacam von Bad Königshofen nach Ebern. Ein Bekannter hatte ihnen den Tipp gegeben, dass in der Kapellenstraße eine Gaststätte frei wird, erzählt Hatice, die Ehefrau von Geschäftsinhaber Hasan Karacam (41). Das war 2002 gewesen. Seither erfreut sich der City-Döner großer Beliebtheit.
Die türkischen Speisen kommen besonders beim jüngeren Publikum besonders an. "Mein Mann kennt fast alle junge Leute aus Ebern und der ganzen Umgebung", beschreibt die Chefin einen Großteil ihres Klientels und damit auch einen Integrationserfolg. "Wir haben viele Freunde und einen eigenen Stammtisch." Die Tochter (16) besucht das Friedrich-Rückert-Gymnasium, der Sohn (9) die Grundschule und spielt beim TV Ebern Fußball.
Seit vier Jahren ist die Familie auch Hausbesitzer und ist mit dem Vier-Mann-Betrieb in einen zweiten Standort gezogen, der nur wenige Meter von der früheren Gaststätte entfernt liegt. Bereits in Bad Königshofen war ein Döner-Laden betrieben worden. Den Wechsel bereut die türkische Familie nicht. "Wir wünschen uns ein schönes Leben, für uns und unsere Kinder", wünscht sich Hatice Karacam.
Mächtig umgeschult hat Linda Ortiz-Wohlfahrt (48). Von der Rechtsanwältin in Mexiko zur Restaurant-Chefin am Marktplatz. Über ihren Mann, Klaus Wohlfahrt, denn sie während seiner Tätigkeit im FTE-Werk in Puebla kennen lernte, kam sie nach Deutschland. 2007 übernahmen beide das traditionsreiche Gasthaus "Zum Hirschen" und machten daraus das "Veracruz", das seither Freunde der mexikanischen Küche von weither anzieht.

Weiter Einzugsbereich

"Es kommen viele Freunde mit mexikanischen Wurzeln aus Bamberg, Schweinfurt, Erlangen oder Coburg", erzählt die Chefin, die sich seit einigen Wochen über Verstärkung in der Küche durch Elia Cordova freut. "Zwei echt mexikanische Köchinnen, wo gibt es das sonst noch?", fragt sie bei einem Personalstamm von acht Leuten, die sich auch um die Fremdenzimmer und die große Cocktail-Bar im Fachwerkhaus am Marktplatz kümmern.
Neben dem gastronomischen Angebot runden Salsa-Tanzkurse und das Steeldart (als Vereinslokal) das Programm ab, das auch für die Beliebtheit des Restaurants und der Pächterfamilie zeugt. Und nicht nur bei WM-Spielen der mexikanischen Fußballmannschaft herrscht südamerikanische Stimmung im "Veracruz", das auch bei der Musiknacht und dem Weiberfasching einem Vulkan kurz vor der Eruption gleicht.
Pläne hat Lina Ortiz-Wohlfahrt noch jede Menge: "Wir möchten unseren Kaffeegarten ausbauen, weil der gut angelaufen ist." Auch ein Partyservice soll aufgebaut werden. "Und mein Traum bleibt es, unseren riesigen Keller auch noch als besondere Lokalität zu nutzen."

Vereinslokal übernommen

Ebenfalls ein Vereinslokal bewirtet Mario Bianco (58), der seit 2011 in der Sportgaststätte des TV Ebern italienische und deutsche Gerichte auftischt. Über eine Anzeige im Internet hatte er erfahren, dass der Verein einen Pächter sucht und sich nach mehreren Stationen im Raum Darmstadt zum Wechsel ins Frankenland entschlossen hat. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin fühlt er sich gut aufgenommen und beide haben sich mit ihrem Zwei-Mann-Betrieb bestens eingelebt. Als Besonderheit in seinem Lokal, der auch den angegliederten Vereinssaal für größere Gesellschaften nutzen kann, verweist Mario Bianco noch auf die regelmäßigen Sky-Sportübertragungen auf mehreren Fernsehern sowie einer Großbildleinwand.
Von Vietnam hat es sie zunächst nach Nürnberg und dann nach Ebern verschlagen. Im Zwei-Generationen-Betrieb führen die Familien Pham und van Truong den Asia Imbiss am Stadtberg seit der Wiedereröffnung nach der Renovierung im März. "Die Vorgänger sind in Rente gegangen und meine Mutter hat über eine Freundin in Nürnberg erfahren, dass sie für Ebern Nachfolger suchen", erzählt der 27-jährige Chef in perfektem Deutsch, der in Nürnberg als Sushi-Mann gearbeitet hat, während sein Vater in einem China-Restaurant tätig war und seine Frau als Kosmetikerin arbeitete.
Japanische und asiatische Speisen haben sie auf ihren Karten stehen, wobei jeden Monat noch wechselnde Spezialitäten hinzukommen. "Die Stadt gefällt uns sehr gut und wir fühlen uns angenommen. Für unser bald kommendes Kind ist das die beste Umgebung."
Natürlich gibt es in Ebern auch noch jede Menge Lokale, die fränkische Gerichte auf der Speisekarte stehen haben.