von unserer Mitarbeiterin  Evi Seeger

Untergreuth — "Vergiss mir meine Kapelle nicht!" Mit dieser Aufforderung soll sich nach der Chronik der ehemalige Bamberger Erzbischof Joseph Otto Kolb an den damals noch jungen Frensdorfer Hans Dobeneck gewandt haben. Denn in Untergreuth, das damals ein beliebtes sonntägliches Ausflugsziel war, sollte nach dem Wunsch des Erzbischofs statt der baufälligen eine neue Kapelle gebaut werden. Dobeneck, bekannter Arzt und Geburtshelfer, der in Frensdorf ein Entbindungshaus betrieb, vergaß die Kapelle nicht. 1973 kauften Hans und Grete Dobeneck das Anwesen in Untergreuth und ließen die Kapelle errichten. Finanziert wurde sie aus dem Privatvermögen der Stifter und aus Spenden. Am 6. Juli 1975 fand die feierliche Benediktion statt. Verbunden mit der Kirchweih feiert der Kapellenverein am kommenden Wochenende den 40. Jahrestag der Kapellenweihe.
Eine Kapelle hatte es in Untergreuth schon zuvor gegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei sie so marode gewesen, dass nur mehr an einen Abriss gedacht werden konnte, ist in der Chronik zu lesen. 1973 sollte die alte Kapelle umgebaut werden, was von der Gemeinde auch bereits genehmigt war. Diese Entscheidung sei jedoch "umgangen" worden, heißt es in der Chronik. In einer "nächtlichen Aktion" seien Anfang 1974 die Kapelle und die Scheune, an die sie angebaut war, abgerissen worden.

Reliquie im Altarstein

Wenig später gründete Hans Dobeneck den Kapellenbauverein. Nur ein gutes Jahr sollte es dauern, bis unter der Leitung des Architekten Leonhard Rudolph das Kirchlein fertig war. Nach dem Willen der Initiatoren sollte die Kapelle zur Verehrung der Gottesmutter und des Heiligen Bruder Konrads anregen. Eine Reliquie des Heiligen wurde in den Altarstein eingebettet. Dass die Kapelle dem heiligen Bruder Konrad geweiht wurde, geht auf die persönliche Geschichte des Stifterehepaares Hans und Grete Dobeneck zurück: Der Gedenktag des Heiligen war der Hochzeitstag der beiden. Grete Dobeneck, Ehrenmitglied des Kapellenvereins, die in Frensdorf lebt, konnte vor einigen Monaten bei guter Gesundheit ihren 95. Geburtstag feiern.
Die Glasfenster hat der Bamberger Künstler Alfred Heller gestaltet, der auferstandene Christus ist ein Werk des Bamberger Bildhauers Georg Bauer. Noch im Lauf des Jahres 1975 bekam die Bruder-Konrad-Kapelle eine Glocke mit dem Namenszug ihres heiligen Schutzpatrons.
Bereits in der Anfangszeit versuchte der Stifter eine ständige Aufbewahrung des Allerheiligsten in der Kapelle zu erreichen. Da keine regelmäßigen Messen stattfanden, wurde dies jedoch vom erzbischöflichen Generalvikariat abgelehnt. Erst 1994 kam eine Genehmigung aus Bamberg, da nun im regelmäßigen Turnus in Untergreuth Eucharistie gefeiert wird.
Nach dem Tod des Stifters übernahm der Kapellenverein unter dem Vorsitz von Simon Knorr und Hans Spielberger die Sorge für das Kirchlein. Grete Dobeneck überschrieb dem Verein die Kapelle als Eigentum. Damit lebten auch die Begeisterung, das Engagement und die Spendenfreudigkeit der Untergreuther für die kleine Kirche auf. In der Folgezeit konnte viel zum Unterhalt und zur Ausstattung der Kapelle getan werden: Unter anderem wurden eine neue Bestuhlung, ein Messgewand, ein Musikinstrument, Evangelienleuchter, eine neue Heizung und eine neue Einrichtung für die Sakristei angeschafft. 2011 trat mit Patrick Dumrauf ein neuer junger Vorsitzender an die Stelle des verstorbenen Simon Knorr. 2004 richtete der Kapellverein erstmals die Kirchweih aus.
Für die Kirchweih stellt die Brauerei Büttner dem Verein Hof und Inventar zur Verfügung. Der gesamte Erlös aus der Kirchweih kommt dem Kapellenverein zugute.