von unserer Mitarbeiterin Sabine Weinbeer

Neuschleichach — "Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist" - Margarethe Neebs Stimme schallt am Sonntagnachmittag vom "Eltmanner Berg" und die Unterschleichacher Mesnerin, Namenskollegin Margarethe Keller, eilt in die Kapelle "Maria Heimsuchung", um die Vierzehnheiligen-Wallfahrer mit Glockenklang zu empfangen. Ziemlich heiß ist es, fast 50 Kilometer sind sie seit dem Vortag gelaufen, aber das Ziel ist nah: die Anna-Kapelle in Neuschleichach.

Enkelin Judith unterstützt sie

Zum 19. Mal sind sie am Samstagmorgen um 3 Uhr dort aufgebrochen, die Wallfahrer aus Neu-, Unter- und Oberschleichach und einige Gäste. Margarethe Neeb ist "die Stimme" der Wallfahrt, diejenige, die fast die ganze Strecke über vorbetet. Mittlerweile wird sie von Enkelin Judith unterstützt.
Einmal hatte sich die 70-Jährige den Fuß gebrochen und musste den Wallfahrern hinterherschauen: "Das hat mich fast zerrissen", gesteht sie am Sonntag beim abschließenden Kaffee.
Am Morgen vor der Basilika Vierzehnheiligen strebt sie mit festem Schritt über den Platz - die 38 Kilometer vom Vortag stecken natürlich auch ihr in den Knochen, wie allen anderen Pilgern. "Einfach ignorieren", ist ihr Geheimrezept. Durchhaltevermögen zeigen sie alle, die Wallfahrer, einige sind besonders gefordert: Sie tragen Lautsprecher und Fahnen oder spielen ein Musikinstrument, denn durch die Orte auf der Strecke geht es immer mit Blasmusik und Gesang.
Auch heuer wieder dabei: Margarethes Schwager Alfons Neeb, deutlich über 70, aber drahtig und fit. Solche Pilger ringen den deutlich Jüngeren Respekt ab. Einiges abverlangt wird auch den Streckenposten. Oliver Ketz und Patrick Schumm sorgen in Warnwesten und mit Fahnen für die Absicherung, wenn der Pilgerzug Straßen überqueren muss oder an unübersichtlichen Stellen unterwegs ist - vorauseilen, zum Absichern stehen bleiben, und wieder hinterher.

Eine richtige Herausforderung

52 Fußwallfahrer sind es in diesem Jahr, die nach Vierzehnheiligen laufen. Den Rückweg bestreiten sie bis Ebelsbach mit der Bahn, doch die knapp zehn Kilometer von dort über den Eltmanner Berg bis Neuschleichach, fast jedes Jahr in typischer Juli-Hitze, sind nach dem Weg vom Samstag noch einmal eine echte Herausforderung. "Aber auf dem Hinweg haben wir heuer bis Appendorf gefroren", berichten die Pilger beim Abschluss-Kaffee im schattigen Biergarten.

Ausklang unter den Bäumen

Auch das gehört zur Neuschleichacher Wallfahrt: Die Daheimgebliebenen, die die Strecke nicht mehr laufen können, oder die Gebetsanliegen mitgeschickt haben, backen Kuchen für die Pilger, Wirtin Hiltrud Schmidt kocht Kaffee und unter den Bäumen klingt die Wallfahrt aus.
Michael Schumm, der die Wallfahrt mit seiner Mutter organisiert, bedankt sich bei allen Helfern. Dazu gehört auch Jürgen Oppelt, der das Begleitfahrzeug fährt. Er transportiert Gepäck, Musikinstrumente und Pilger, die mal eine Pause brauchen - oder die mal "um die Ecke" müssen, damit sie wieder Anschluss finden. Alle sind sie wieder wohlbehalten zurück.
Pastoralreferentin Barbara Heinrich und die Ministranten erwarten sie am Ortsschild und begleiten sie zum Abschluss in die Heimatkirche. Für siebenmalige Teilnahme werden dort Judith Ullrich, Petra Oppelt und Gerhard Barthelme, der auch in diesem Jahr wieder tapfer den Lautsprecher trug, ausgezeichnet. Bei Wallfahrten gibt es Auszeichnungen für sieben, 14 und 25 Teilnahmen. Auch eine Gruppe Radwallfahrer machte sich in diesem Jahr von Schleichach aus auf nach Vierzehnheiligen, feierte dort mit in der Basilika. Sie kommen etwas später an als geplant. "Wir haben noch einen kleinen Abstecher gemacht", umschreibt Erhard Kraus grinsend, dass sie sich verfahren haben. Doch am Ende führen alle Wege nach Vierzehnheiligen, auch im nächsten Jahr, wenn in der Anna-Kapelle die 20. Wallfahrt beginnt.