von unserem Mitarbeiter Toni mangei

Bamberg — Den jugendlichen Teilnehmern des Projekts ist ihre Nervosität deutlich anzumerken. Immer wieder wirft der ein oder andere Junge einen flüchtigen Blick in Richtung der Gäste, die den großen Raum im Historischen Museum langsam füllen. Der Grund, warum alle hier sind: die Abschlusspräsentation ihres Museumsprojekts "Die Sprache der Bilder". Manch einer wird sich vielleicht wundern: Jugendliche? Museum? Wurden hier Sozialstunden abgeleistet? Dem ist nicht so. Die Jugendlichen - die meisten von ihnen aus dem Kultur- und Moscheeverein in der Coburger Straße - waren freiwillig gekommen, nachdem ihnen das Projekt von den Museumspartnern in deren "Out-reaching-Projekt" vorgestellt worden war.

Von Jugend für Jugend

"Die Sprache der Bilder" ist ein Projekt der Museen der Stadt Bamberg, speziell des Historischen Museums. Bei der Umsetzung kooperieren die Verantwortlichen mit dem Migranten- und Integrationsbeirat der Stadt Bamberg und der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) gGmbH. Ziel des Projekts: Junge Leute ins Historische Museum locken. Und wer könnte das besser als Gleichgesinnte des selben Alters? Aus diesem Grund wurden zu Beginn die sogenannten Peer-Teamer gesucht und gefunden.
Nachdem die Jugendlichen Allgemeines über den Projektablauf erfahren und die näheren Inhalte gemeinsam bestimmt hatten, ging es ans Eingemachte: Ausgehend von der Ausstellung "Von der Romantik bis zu Gründerzeit. Bürgerkultur im 19. Jahrhundert in Bamberg" im Historischen Museum, entwickelten sie eine eigene Ausstellung zur aktuellen Jugendkultur.
Was soll bewahrt werden, damit die Gesellschaft in 50 Jahren eine Vorstellung davon bekommt, wie Jugendliche heute leben? Was macht Kultur heute aus und wie anders werden die Menschen im Jahr 2064 leben? Aktuelle Gegenstände wie Handys und Baseball-Caps wurden für die Ausstellung ebenso ausgewählt wie immaterielle Werte. Zum Beispiel Freundschaft und Vertrauen.
Die Teilnehmer fertigten auch Selbstporträts an, indem sie sich in einem goldenen Bilderrahmen fotografierten, um zu zeigen, wie sich die Bildsprache in den letzten 200 Jahren verändert hat. Als die Arbeit fertiggestellt war, führten die Peer-Teamer wie geplant Gleichaltrige durch die Ausstellung.
Bei der Abschlusspräsentation wurden die Jugendlichen von den Projektbegleitern interviewt. Es zeigte sich, dass die anfängliche Nervosität nicht nötig gewesen wäre. Die Jugendlichen erzählten souverän.
Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) war sehr angetan. In seiner kurzen Ansprache erzählte er, dass er von der Projektidee begeistert sei, "schließlich sei es kein einfaches Unterfangen, Jugendlichen die Kultureinrichtung Museum schmackhaft zu machen". "Gerade in Bamberg, das viele tolle Museen zu bieten hat, ist ein solches Projekt von besonders großer Bedeutung", so Lange weiter.
Der zweite Teil des Projekts wird Anfang nächsten Jahres starten. Das Konzept soll bleiben, allerdings wird der inhaltliche Bereich erneut völlig offen gelassen, so dass die kommenden Teilnehmer genau das machen können, worauf sie Lust haben. Wer nähere Informationen will, oder sich bereits für den zweiten Teil anmelden möchte, kann sich an das Historische Museum Bamberg wenden oder eine E-Mail an die Ansprechpartnerin der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration gGmbH, Serap Özalp (oezalp.serap@ba.gfi-ggmbh.de), schreiben.