Auf ein schönes Stück Zeitgeschichte ist der Münnerstädter Dr. Johannes Becker aufmerksam geworden. Bei seinen Recherchen für sein neues Buch über die Geschichte der Medizin in Münnerstadt ist er über einen lustigen Zeitungsartikel gestolpert, der sich auf ein Geschehen vor genau 150 Jahren bezieht. Am 15. Juni 1866 stand in der "Saal-Zeitung" (nicht Saale-Zeitung) ein Bericht über die "große Schlacht bei Jägerndorf", die sich am 8. Juni ereignet hatte. Die Stadt im heutigen Tschechien gehörte damals zu Österreich und lag unmittelbar an der Grenze zu Schlesien, das 1866 zu Preußen gehörte. In diesen Tagen nahm der deutsche Krieg bzw. deutsche Bruderkrieg seinen Anfang. Der Redakteur der Saal-Zeitung konnte nicht ahnen, was sich wenige Wochen später in und um Bad Kissingen abspielen sollte.


Mit Steinen und Salatköpfen

In der Ausgabe vom 15. Juni stand Folgendes geschrieben: "Die erste Schlacht ist geschlagen. Die große Schlacht hat bei Jägerndorf an der schlesischen Grenze stattgefunden. Die Ehre des ersten Sieges kommt aber nicht den Kriegern, sondern dem schönen Geschlechte zu. Die Jägerndorfer Salatweiber holten sich ihre Vorräte an Grünzeug, Salat etc. jenseits der Grenze ab, wurden aber am Ende des Dorfes von einer Schaar preußischer Amazonen überfallen und unter einer Fluth von Beschimpfungen mit Steinwürfen angegriffen. Die Salatweiber legten die schweren Körbe mit Grünzeug nieder und setzten sich zur tapferen Gegenwehr, ja sie gingen von der Defensive zur Offensive über, und mit so gutem Erfolg, daß sich der Feind mit Verlust einiger Kopftücheln und mehrerer zerstörten Kopffrisuren ins Dorf zurückziehen mußte. Da statt mit Kanonen-Kugeln nur mit Steinen und Salatköpfen geschossen wurde, so sind die beiderseitigen Verwundungen nicht gefährlich gewesen."


Noch zwei Meldungen

Das war die drittwichtigste Meldung an diesem Tag. Ganz oben in der Zeitung stand, dass soeben die Nummer 18 der Kurliste von Kissingen erschienen war, die 973 Badegäste zählte. Unter dem Stichwort "erledigt" stand an zweiter Stelle, dass die Stelle eines Assistenzarztes in der "Kreisirrenanstalt Werneck" ausgeschrieben ist. Die Konditionen: 600 Gulden bei freier Verpflegung erster Klasse. "Anmeldungen bei dem dortigen Vorstande Dr. Gudden." Dabei handelte es sich um den Psychiater Bernhard von Gudden, der 20 Jahre später durch sein Gutachten maßgeblich an der Absetzung König Ludwigs II. mitgewirkt hatte und der mit ihm am 13. Juni 1886 im Starnberger See zu Tode kam.