Gertrud Glössner-MÖschk

Bamberg — Erst vor einer guten Woche, am 23. September, stand Margarete Schmidt wieder vor einem großen Publikum und begeisterte im Festzelt der Mediengruppe Oberfranken an der Gutenbergstraße 500 zahlende Gäste. Trotz ihres Alters schont sie sich nicht, denn der Applaus für ihre Bamberger "Gschichtla" in Mundart ist für sie wie die Luft zum Leben.
Die wenigsten Zuschauer werden es für möglich gehalten haben, dass die "Rettl Motschenbacher", oder einfach "Rettl" - so ihr Pseudonym als Mundartdichterin - kurz vor ihrem 85. Geburtstag stand.
Übermorgen, am 3. Oktober, feiert sie dieses Fest mit ihrer geliebten Familie. Wer sie kennt, weiß, dass ihr die Familie alles bedeutet. Doch gleich danach kommen ihre "Gschichtla", die seit Jahrzehnten das alte Bamberg in Erinnerung rufen und wach halten. Wegen ihres ganz besonderen Humors hat die Rettl viele Fans in der Stadt und auch außerhalb.


Lustige Mischung

Margarete Schmidt stammt vom Kaulberg, wo sie als Rettl Motschenbacher aufgewachsen ist. Ab 1978 - die Kinder waren aus dem Haus - kam sie mit dem Fränkischen Tag in Kontakt. Seitdem lieferte sie Hunderte von Mundartgeschichten mit ihrer einmaligen Mischung aus Hochdeutsch und Mundart in die Redaktion.
Ihre Themen nahm sie meistens (und nimmt sie auch heute noch oft) aus dem Gemeindeleben der Oberen Pfarre, weshalb ihre Geschichten in den Anfangsjahren auch meistens unter dem Titel "Geschichten vom Kaulberg" abgedruckt wurden.
Auch der Buchverlag des Fränkischen Tags nahm die Rettl unter Vertrag, veröffentlichte ab 1997 ihre Geschichten in mehreren Bänden und vertrieb ein Hörbuch. Die Koch- und Backbücher waren echte Bestseller. Die Blädsla-Rezepte werden heute noch in vielen Bamberger Haushalten in Ehren gehalten und Rettls Lieblingsplätzchen Jahr für Jahr nachgebacken. 2008 schrieb sie dann sogar einen Roman: "Die Kuni und ihä Kinnä".
In einem Interview vor ihrem 75. Geburtstag hat Margarete Schmidt vor zehn Jahren gesagt, das Schreiben habe sie verändert. "Früher war ich sehr viel unsicherer, schüchtern und hätte nie gewagt, irgendwo das Wort zu ergreifen." Mit den Erfolgen ist das Selbstbewusstsein gewachsen. Seit langem schon geniert sie sich vor nix und niemandem mehr. Auch nicht vor geistlichen Herren, die sie gern aufs Korn nimmt.


Lachtränen garantiert

Wer Glück hat und die Rettl einmal live bei einem ihrer Vorträge erleben kann - wie die 450 Festzeltbesucher am 23. September - bekommt ihren speziellen Humor am Besten mit. Dann ist es besser, gleich ein Taschentuch zur Hand zu haben, um sich die Lachtränen von den Backen wischen zu können.