von unserer Mitarbeiterin 
Veronika Schadeck

Kronach — Wer jetzt in Rente geht, muss mehrere Monate über das 65. Lebensjahr hinaus arbeiten. Daran erinnerten Gewerkschafter im Rahmen der bayernweiten Aktionswoche "Wir für Mehr" für die Tarifrunde 2015. Dazu fand am Donnerstagabend im Schützenhaus eine Delegiertenversammlung der IG Metall Coburg statt. Der Bevollmächtigte der IG Coburg, Jürgen Apfel, und die Tarifkoordinatorin des Bezirks Bayern, Sibylle Wankel, nutzten die Gelegenheit, um die Mitglieder über Themen und Forderungen der IG Metall Coburg für 2015 zu informieren.
Komplett gefüllt war der kleine Saal, als die beiden "Gewerkschaftler" von den geplanten Forderungen in der nächsten Tarifrunde sprachen. Demnach wird um die Themen "Bessere Altersteilzeit", "Zeit und Geld für Bild" und um "mehr Entgelt" gehen.
Wie Jürgen Apfel erklärte, greift bereits die Regelung zur Rente mit 67 Jahren. Er wies auf eine Umfrage der IG Metall hin, wonach mehr als zwei Drittel der Befragten vorzeitig in den Ruhestand gehen möchten. Seine Kollegin Sibylle Wankel ergänzte, dass es beim Punkt "Alters teilzeit" um die Beschäftigten der unteren Entgeltgruppen geht, die sich einen vorzeitigen Ruhestand nicht leisten könnten. Gerade in der Region gebe es zahlreiche Arbeitnehmer, die davon betroffen seien. Nun soll eine Altersteilzeit für sechs Jahre mit einer 85- bis 89-prozentigen Entlohnung des letzten Nettoentgeltes gefordert werden. Vom Gesetz her würden 70 Prozent zugesichert.

Fortbildung für alle

Weiterhin will die Gewerkschaft festlegen, dass jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Weiterqualifizierung hat und er dafür vom Betrieb freigestellt wird. Auch sollten die Arbeitgeber einen finanziellen Ausgleich leisten. Denn dadurch könnten sich Kollegen mit geringerem Einkommen fortbilden, sagte Jürgen Apfel. Oftmals, so Wankel, würden nur Mitarbeiter der gehobenen Lohngruppen von Qualifizierungsmaßnahmen profitieren. Beide sind überzeugt, dass, wenn die Arbeitgeber auf diese Forderung eingehen würden, dies auch ein Schritt zur Bekämpfung des Mangels an Fachkräften sein würde.
Natürlich wird es bei der nächsten Tarifrunde auch um mehr Entgelt gehen. Die Forderung nach einer Lohnerhöhung werde sich voraussichtlich zwischen fünf und sechs Prozent bewegen, so Wankel. Diese hänge nicht zuletzt von der Inflationsrate und Produktivität ab.
Sowohl sie, als auch Jürgen Apfel wissen, dass es schwierig sein wird, die Forderungen durchzusetzen. Die Arbeitgeber werden auf die derzeitigen Krisen in der Ukraine, im Nahen Osten und auf die langsamere Entwicklung in China und Russland hinweisen. Außerdem hätten die Arbeitgeber bereits beim ersten Tarifgespräch Ende September Forderungen nach verbindlichen Regelungen zur Alters- und Bildungsteilzeit zurückgewiesen. "Sie wollen wie bisher selbst entscheiden!", so Wankel.
Die Delegierten in Kronach signalisierten, dass sie die Forderungen ihrer Gewerkschaft unterstützen. Jürgen Apfel ging auch auf den Tariffahrplan der IG Metall ein. Demnach werden am 7. November alle Bezirke dem Vorstand der IG Metall ihre Tarifforderungen mitteilen. Ende November werden die Tarifkommissionen aller Bezirke ihre Forderungen beschließen. Der Verhandlungsauftakt mit den Arbeitgebern findet am 14. Januar 2015 statt. Da die Gewerkschaft von heftigen Tarifauseinandersetzungen ausgeht, sind auch Warnstreiks nicht ausgeschlossen. Diese kann es ab 29. Januar geben.
Nach Auskunft von Jürgen Apfel haben sich Mitgliederzahlen bei der IG Metall Coburg, dazu zählen die Landkreise Coburg, Kronach und Lichtenfels, in den letzten Jahren stabil gehalten. Organisiert in der IG Metall sind in diesen Landkreisen 9400 Beschäftigte in 61 Betrieben. Insgesamt zählt diese Branche 19 000 Beschäftigte.