Ein "Tag, an dem Geschichte geschrieben wird" (Pfarrer Jacob Kurasserry) war für Röttenbach der Sonntag. Denn nach der Segnung durch Erzbischof Ludwig Schick ertönte zum ersten Mal die neue Orgel von St. Mauritius. Claudius Winterhalter aus Oberharmersbach hat sie gebaut.
"Auch für einen Orgelbaumeister ist das keine Routine, auch nicht nach 40 Berufsjahren", bekannte Winterhalter. Er ist mit seinem Werk zufrieden, sagte sein strahlendes Gesicht am Ende des Orgelkonzerts, das der Bamberger Domorganist und Orgelsachverständige Markus Willinger nach dem Weihegottesdienst gab.
Winterhalter ist sich sicher, dass Röttenbach die nächsten 100 Jahre keine neue Orgel braucht. Damit spielte er auf die örtliche Orgelgeschichte an. Beim Neubau der Mauritiuskirche im 19. Jahrhundert erhielt das Gotteshaus eine Orgel mit einem geteilten Aufbau und einem frei stehenden Spieltisch. Sie war in den 80er Jahren schadhaft und wurde erneuert. Doch die Reparatur war nicht von langer Dauer. Schon bald setzten Mängel ein, die den Organisten das Spielen immer mehr erschwerten. Im Zusammenhang mit der Renovierung des Gebäudes, die der damalige Pfarrer
Joan Vinyeta Puntí angestoßen hatte, wurde auch nach einer Lösung für die Orgel gesucht. Nach ausgiebigen Diskussionen wagte sich die Pfarrei an die Anschaffung einer neuen Orgel statt einer nochmaligen Überarbeitung mit ungewissem Ausgang. Man entschied sich auf Empfehlung von Willinger zu einer Zusammenarbeit mit der Schwarzwälder Orgelbaufirma.
Die neue Orgel wurde in das denkmalgeschützte Gehäuse des 19. Jahrhunderts eingebaut. Im linken Teil befinden sich das Hauptwerk und die Register des Pedals, rechts das schwellbare Nebenwerk. Die insgesamt 23 Register sind so angeordnet, dass sich diejenigen ähnlicher Bauart gegenüber liegen. Die Orgel hat 1362 Pfeifen; die kleinste hat eine klingende Länge von gerade mal einem Zentimeter. In der neuen Orgel stecken fast 6000 Arbeitsstunden und 28 000 Einzelteile (ohne Kleinteile wie Nägel und Schrauben). Die Kosten liegen bei rund 450 000 Euro. Staat und Bistum, die Gemeinde mit 20 000 Euro, über 100 Orgelpaten und viele Einzelspender machen die Finanzierung möglich.
"Gottesdienst", so der Erzbischof in seiner Predigt, "heißt nicht zuerst, dass wir dienen. Es bedeutet Dienst Gottes an uns. Damit Gott bei uns ankommt, brauchen wir die Kirchenmusik, in unseren Breiten die Orgel."