Vestenbergsgreuth — Die Myrrhe ist ein sehr altes und teures Arzneimittel - nicht umsonst gehörte es zu den drei Geschenken der Weisen aus dem Morgenland an den neugeborenen Heiland. Johannes Mayer brachte diese alte Heilpflanze den Zuhörern in der vollbesetzten Kräuterscheune des Kräutergartens Martin Bauer näher.
Die Myrrhe ist ein Balsambaumgewächs und ist sehr schwer anzubauen. Sie benötigt extreme Bedingungen mit einem einerseits trockenen Klima, aber auch ausreichend Feuchtigkeit im Boden. Ihr Name kommt aus dem semitischen und bedeutet "bitter". Die Ernte, konkret die Gewinnung des Harzes in der Pflanze, erfolgt unter hohen Temperaturen.
Die medizinische Verwendung des Myrrhesaftes ist schon zu Zeiten der Perserkriege (490-448 v. Chr.) als Wundbehandlungsmittel dokumentiert. In der Antike wurde das Harz mit anderen Kräutern wie Salbei, Thymian oder Weihrauch vermischt und mit Honig versetzt zu Kugeln geformt. Diese wurden dann als Lutschtabletten verwendet. Im Mittelalter wurde die Myrrhe bei Magen-Darm-Problemen oder Blähungen verwendet. Hildegard von Bingen setzte sie als ein Mittel zur Abwehr der Zauberei, aber auch bei Magenschmerzen oder Gelbsucht ein. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stellte der Myrrhe 1987 eine positive Monografie zur Behandlung von Mund- und Rachenschleimhautentzündungen aus.
Heute wird die Myrrhe bei Magen-Darmkrämpfen eingesetzt. Sie reduziert die Spannung der Darmmuskulatur. Daher kommt sie auch zur Linderung von Reizdarmbeschwerden und bei Morbus Crohn zum Einsatz. Die ätherischen Öle, Bitter- und Gerbstoffe wirken schmerzlindernd.
Dieser interessante Vortrag von Johannes Mayer bildete den Abschluss der diesjährigen Vortragsreihe im Kräutergarten. Die Organisatorin Hedi Wedel bedankte sich noch einmal bei allen diesjährigen Referenten und machte neugierig auf spannende Vorträge über Kräuter im Jahr 2016. Katharina Peter