D er morgige Sonntag ist in der evangelischen Kirche der Totensonntag/Ewigkeitssonntag. In den Gottesdiensten werden die Namen der im zu Ende gehenden Kirchenjahr verstorbenen Gemeindemitglieder verlesen. Kerzen werden angezündet. Die Gemeinde betet für die Toten und ihre Hinterbliebenen. Für viele Familien gehört der Friedhofsgang dazu. Im bayerischen Feiertagsgesetz ist dieser Sonntag, wie zum Beispiel auch Allerheiligen oder der Volkstrauertag, ein stiller und damit geschützter Tag.
Mich macht es traurig und zornig zugleich, wenn bereits an diesem Sonntag Adventsmärkte und Adventsbasare abgehalten werden. Warum können die Veranstalter auf die Empfindungen vieler evangelischer Christen und auf die Tradition der evangelischen Kirche keine Rücksicht nehmen und noch eine Woche damit warten? Bringen wir dem Gott "Kommerz" nicht schon Opfer genug dar?
"Alles hat seine Zeit." So sagt es der weise Prediger Salomo im Alten Testament. Gedenken und Erinnern hat seine Zeit an Allerseelen, Allerheiligen, am Volkstrauertag, am Buß- und Bettag, am Totensonntag/Ewigkeitssonntag. Sich vorbereiten auf Weihnachten hat seine Zeit im Advent.
Am vergangenen Samstag war auf der Titelseite dieser Zeitung die Frage zu lesen: "Wie dem Tod begegnen?" Die Heilige Schrift hat die Antwort: "Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden" (aus dem Psalm 90,12). Klug werden angesichts von Sterben und Tod - wie kann das aussehen? Vier kurze Sätze auf diese Frage:
Erstens: Ich lebe unter dem Vorbehalt meines Sterbens. "So Gott will und ich lebe, will ich dies und jenes tun." Unter diesem Vorbehalt, nachzulesen im Jakobusbrief, Kapitel 4, nehme ich jeden Tag und alles, was ihn füllt, als Geschenk Gottes an.
Zweitens: Ich übe mich im Loslassen. Die Typen fallen komisch aus, die sich mit allen Tricks und Ticks auf jung trimmen. Wer sein Alter annimmt, kann sein wie eine Rose. Wenn sie langsam verblüht, verströmt sie den schönsten Duft.
Drittens: Ich bereite alles für meinen Tod vor. Zum einen sind es die Dinge, die ich regle. Martin Luther: "... dass der Mensch sein zeitlich Gut ordentlich verschaffe, ...damit nicht bleibe nach seinem Tod Ursach zu Zank." Zum anderen sind es die Menschen. Ich will versöhnt sterben. Um mein Sterbebett will ich meine Familie haben und zum letzten Mal auf Erden das Heilige Mahl im Kreis meiner Lieben feiern.
Viertens: Ich blicke zu Gottes Ewigkeit. Wenn ich dieses letzte Ziel nicht hätte, müsste ich Sterben und Tod fürchten. Ich verlasse mich darauf, dass ich an der Hand von Jesus dieses Ziel erreiche.


Nicht verdrängen!

"Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." Sterben und Tod dürfen nicht verdrängt werden. Erhalten wir uns den morgigen Sonntag als stillen Feiertag, als Tag des Gedenkens und Bedenkens.

(Volkmar Gregori ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ebelsbach-
Gleisenau und Dekan a. D.)