von unserer Mitarbeiterin Sonja Adam

Stadsteinach — Fünf Mal musste der arme Pfarrer, der sich eigentlich hoch zu Roß auf den Weg zu einer Krankensalbung machen wollte, sterben. Seine Geschichte erzählt Armin Pfreundner in einer Lesung, die am Dienstag, 3. Juni, um 19 Uhr im Stadtsteinacher Heimatmuseum beginnt.
Als sich der Pfarrer schnell die Schuhe besohlen lassen wollte, tötete der Schuster den Geistlichen - ein Unglück, das der Verursacher allerdings vertuschen wollte. Daraufhin wurde der Pfarrer zur wandernden Leiche. Ein Motiv, das im Mittelalter überall immer wieder auftaucht. Er wurde auf seinem Pferd ins Haferfeld des Nachbarn geschickt. Dieser war aber sauer auf den Pfarrer, weil er das Pferd dort grasen ließ. Er warf einen Stein - und tötete den Pfarrer zum zweiten Mal.

Toten Geistlichen beschimpft

Doch auch diesmal sollte der Mord einem anderen in die Schuhe geschoben werden. So stellte der Mann den Pfarrer vor die Hoftür eines anderen Nachbarn. Der scherte sich nicht darum, schimpfte den schweigenden Geistlichen, dass dieser ihn beobachte und auflauere, und fuhr mit Karacho samt Fuhrwerk hinaus - und tötete den Pfarrer erneut.
Schließlich wanderte die Leiche zum Teigbottich der Mesnerin. Der Pfarrer erstickte am Teig. Die Frau wischte den teigverschmierten Mund des toten Pfarrers ab und stellte ihn an die Kanzel. Die Menschen glaubten, der Pfarrer sei verzückt. Da Menschen, die in Verzückung verharrten, im Mittelalter als heilbringend galten, griff ein von Rheuma geplagtes Mütterchen nach dem Seelsorger. Und der fiel auf die alte Frau, erschlug sie - und wurde nach fünf Toden endlich beerdigt.
In Originalsprache wird Armin Pfreundner die Mär von Hans Rosenplüt "Der fünf Mal getötete Pfarrer" und andere Geschichten lesen. Einige davon wird er übersetzen, andere nur erklären oder den Inhalt wiedergeben. Denn direkte Transkriptionen gibt es nicht. Dafür waren die mittelalterlichen Mären, von denen nur noch 212 bekannt sind, nicht bedeutend genug.
Teilweise geht es in den Dichtungen ganz schön zur Sache. Denn neben den höfisch-galanten Mären, die von Abenteuern und Liebesgeschichten erzählen, gibt es auch moralische, die Fehlverhalten von Menschen an den Pranger stellen, und solche, die einfach nur unterhaltsam sein sollen. Einige sind auch ganz schön erotisch.

Thema schon im Studium

"Ich habe mich schon im Studium damit beschäftigt", erzählt der Römersreuther, der am Gymnasium Deutsch, Latein, Griechisch, Ethik und Archäologie unterrichtete. Aus seiner privaten Sammlung wird er auch mittelalterliche Zeichnungen mitbringen.