von unserer Mitarbeiterin 
Theresie-Josefin Federolf

Bamberg — Die Pflege älterer Menschen ist für die berufstätigen Kinder oftmals eine Herausforderung. Zwischen der Pflege zu Hause, Hilfe von Pflegeorganisationen und Seniorenresidenzen bleibt oft nicht mehr viel Spielraum für Witz und Individualität. Davon erzählt das Theater- und Chansonstück "Es ist nie genug" von Petra Afonin - mit einer kleinen Portion schlechten Gewissens, vielen lustigen Anekdoten und genügend Ernsthaftigkeit. - Aus Anlass des 25. Jubiläums des Hospizvereins hatte Vorsitzender Konrad Göller zu diesem Theatererlebnis eingeladen. Im Hospizsaal des Christine Denzler-Labisch-Hauses fanden je knapp 100 Zuschauer an zwei Chanson abenden Platz und ließen sich auf das ernste Thema ein. "Die Kunst zu leben und die Kunst zu sterben sind auch Kulturgut. Und das sollte man pflegen", so Göller.
Petra Afonin wechselte zwischen den Genres Märchen, Anekdoten, Chanson und einfachem Vortrag, wobei die verschiedenen Themen immer mit passender Klavieruntermalung ergänzt wurden. So ging es auf der schlicht gehaltenen Bühne unter anderem um die Themen Alters-WG, Schuldgefühle der Kinder, Hypochonder und Beipackzettelleser. Auch klassische Begriffe wie "Pflegestufenbeantragung" oder die Vorstellung eines "ruhigen Lebensabends" wurden angesprochen und humoristisch überzeichnet - wie bei der Geschichte vom kleinen Mädchen Ramona, welches einen Aufsatz über den Lebensabend schreibt. "Und wenn man im hohen Alter sehr viel vergisst, ist das dann die Lebensabend-Dämmerung", so Afonin. Als Aufwärmtraining zum Singen der Tonleiter nutzte sie den Begriff "anaphylaktischer Schock". Die musikalische Stütze am Klavier war hierbei Susanne Hinkelbein.
Die Zusammenarbeit mit der Regisseurin des Stücks, Sibylle Broll-Pape, der künftigen Intendantin des E.T.A.-Hoffmann-Theaters, war für Afonin dabei nichts Neues. Die beiden Frauen stellen schon seit über 25 Jahren gemeinsame Inszenierungen auf die Beine. "Wir haben schon in Bochum zusammen gearbeitet. Jetzt ist jeder in seinem Bereich tätig, aber wir arbeiten sehr gerne zusammen. Auch über 500 Kilometer Entfernung hinweg", so Afonin. Sie ist sich sicher, dass Broll-Pape mit ihrer künstlerischen Einstellung Bamberg bereichern wird.
Das Publikum belohnte Afonin und Hinkelbein mit viel ernsthafter Stille und befreienden Lachern während des Stücks sowie mit langem Applaus am Ende.