Lettenreuth — Die Soldaten- und Traditionskameradschaft (STK) Lettenreuth feierte ihr 130-jähriges Bestehen. Eingangs zogen die Vereins- und Fahnenabordnungen sowie Ehrengäste in der Kirchenparade zum Festgottesdienst in die Lauzrenzikirche ein. Dekan und Pfarrer Michael Schüpferling hob in seiner Predigt besonders hervor, dass Jesus jedes Anspruchsdenken ausschließe. Vielmehr gehe es darum, sich in den Dienst des Nächsten zu stellen. Jesu' Worte "Wer der erste sein will, muss zum Diener der Anderen werden" gälten auch für die Vereine.
Nach dem Gottesdienst fand eine Ehrenwache mit Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal statt. Dazu erklangen Choräle der Blaskapelle Marktgraitz. Einen Prolog trug Alexa Dietel vor.
Nach Gebeten für den Frieden sprach Oberst d. R. Erwin Reus darüber, dass heutigen Generationen eine Beurteilung der Kriegsschuld für die beiden Weltkriege nicht zustehe. Allgemein sollten die Deutschen heute nach 100 Jahren I. Weltkrieg und 70 Jahren II. Weltkrieg damit aufhören, weiterhin von Schuldgefühlen der Soldaten zu sprechen. Anschließend wurden die Bayernhymne sowie das Deutschlandlied mit musikalischer Umrahmung der Blaskapelle Marktgraitz angestimmt. Ebenso erklangen Böllerschüsse.
Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal fand mit den Ehrengästen und Fahnenabordnungen eine Parade zur Kulturhalle statt. Dort zeigte sich Erster Vorsitzender Manfred Sünkel in seiner Festrede über den zahlreichen Besuch der Kameradschaften aus Deutschland und Österreich erfreut. Dritter Bürgermeister Jürgen Spitzenberger (SPD) lobte die Disziplin und die Traditionspflege der Soldaten- und Traditionskameradschaft Lettenreuth, bei der sich auch immer wieder ehemalige Wehrpflichtige einbringen.
Weitere Grußworte sprachen folgende Festgäste: der stellvertretende Präsident und Bezirksvorsitzende des Bayerischen Soldatenbundes, Oberst der Reserve Klaus-Dieter Nitzsche, der Kreisvorsitzende des Bayerischen Soldatenbundes Udo Rudel, der Kreisvorsitzende des BSB-Kreisverbandes Coburg, Stabsfeldwebel Dieter Behncke, der Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Oberfranken, Oberstabsfeldwebel d. R. Robert Fischer, sowie vom Österreichischen Kameradschaftsbund, Hauptbezirk Mödling, Hauptbezirksschriftführer Vizeleutnant Manfred Winter.


Karitatives Engagement

Vorsitzender Sünkel ließ dann die Geschichte des Vereins Revue passieren, angefangen von der Vereinsgründung am 6. Januar 1885 mit 22 Veteranen der Kriege 1866 gegen Preußen und 1871/71 gegen Frankreich, bis in die jüngste Zeit, als man mit stattlichen Abordnungen an der Einweihung des Soldatenfriedhofes in Eger/Tschechien teilgenommen und zahlreiche Veranstaltungen der befreundeten Vereine und Verbände in Österreich besuchte.
Darüber hinaus hatte man sich auch im karitativen Bereich engagiert, etwa mit Spenden für die Weihnachtsaktion des Lazaruskorps Deutschland oder zugunsten der Tafel Burgkunstadt. Auch die Kirchenstiftung in Lettenreuth und der Kindergarten in Schwürbitz wurden mit Spenden bedacht.
Als einen Meilenstein für den Verein bezeichnete Sünkel die Anschaffung eines Lichtpunktgewehres in diesem Jahr. Die erste Orts- und Vereinsmeisterschaft im Lichtpunktgewehrschießen sei so ein großer Erfolg gewesen.
Der Vorsitzende kündigte an, dass man sich auch weiterhin für die Orte Lettenreuth und Oberreuth engagieren und auch im karitativen Bereich tätig sein wolle. Insbesondere wolle man für die Ehre der deutschen Soldaten eintreten, denn man sei der festen Auffassung, dass die Mehrheit von ihnen mit reinem Herzen das blanke Schwert geführt hat. Sünkel: "Es waren keine Mörder, Kriegsverbrecher oder politische Fanatiker. Vielmehr waren es die Väter, Großväter und Urgroßväter, die dem Rufe des Vaterlandes gefolgt sind und ihre Pflicht getan haben." Diese Männer seien in einer anderen Zeit mit anderen Weltanschauungen und Werten groß geworden und diese damalige Zeit könne man nicht mit hier und heute vergleichen.
Ein Beisammensein mit musikalischer Umrahmung von "Schorsch" Schadt schloss sich an. Horst Habermann