von unserer Mitarbeiterin Sonja Adam

Kulmbach — Wenn in Kulmbach der Name Robert Hartmann fällt, denken viele an einen überaus verdienstvollen Kommunalpolitiker, aufrechten Sozialdemokraten, erfolgreichen Sportler und engagierten Gewerkschafter - und an einen Mann, der für unzählige Kinder Freizeiten in Bruck am Großglock ner organisiert und mit seiner Frau Meta durchgeführt hat. Heute feiert Robert Hartmann 90. Geburtstag.
"Die Idee für die Freizeit hatte ich, als ich Vorsitzender des Stadtjugendringes war", erzählt der rüstige Kulmbacher. Er habe viele Radfahrtage und Wanderungen durchgeführt oder Skitouren nach Sexten in Südtirol und ins Fichtelgebirge. In den sechziger Jahren habe er dann begonnen, für Kinder, die nicht mit ihren Familien in Urlaub fahren können, Freizeiten in Bruck zu organisieren.


38 Jahre ununterbrochen dabei

"Wir waren von 1965 bis 2003 immer in Bruck dabei", so Robert Hartmann. Seine Frau Meta kletterte unzählige Male mit den Jungen und Mädchen auf die höchsten Berge. Klar, dass zum Geburtstag auch Weggefährten aus Österreich anreisen werden. Die Hartmanns erfüllt es mit Stolz, dass ihre Enkelin heute die Bruck-Fahrten fortführt. "Mit Anfang achtzig war ich noch auf dem 2470 Meter hohen Imbachhorn", berichtet Meta Hartmann stolz. "Die Leute haben es Meta-Horn genannt, weil sie immer raufgegangen ist", schmunzelt ihr Mann. Er selbst sei immer mit denen unterwegs gewesen, die nicht so weit laufen wollten oder konnten.
Robert Hartmann hat in seinem Leben eigentlich alles erreicht, was er sich erträumt hatte. "Was mich wirklich freut ist, dass ich noch geistig rüstig bin - und ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre mit meiner Frau habe", sagt er bescheiden.
Der Jubilar stammt aus der Hübnersmühle in Weidmes. Er war das älteste von acht Kindern. "Als ich ein Jahr alt war, sind wir nach Wildenstein gezogen." Er ging in Schlopp zur Schule, acht Jahre lang. "Nur Leute, die Geld hatten und ihr Kind unter der Woche in Pension geben konnten, leisteten es sich, ihre Kinder auf eine höhere Schule zu schicken", erzählt er. Die Hartmanns gehörten nicht dazu.
Für Robert Hartmann war es keine Frage, dass er so schnell wie möglich Geld verdienen wollte. Er lernte Weber bei der Firma Horn. Dann kam der Krieg. "Ich kam 1943 zum Arbeitsdienst, war da aber nur zwei Wochen. Dann wurde ich Soldat - ich war erst 18", erzählt Hartmann aus seinem bewegten Leben. Er war in Polen und Frankreich stationiert und geriet schließlich in russische Kriegsgefangenschaft. "Aber 1945 kam ich heim nach Wildenstein und habe wieder als Weber bei der Firma Horn gearbeitet."


Seit 68 Jahren verheiratet

Auf dem Tanz in Grafenge haig lernte Hartmann seine Meta kennen, am 11. Oktober 1947 wurde geheiratet. Über die Firma Bodenschatz kam der Jubilar zur Firma Häßler in Kulmbach. 1956 wurde er zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt. "Das war der Anfang meiner gewerkschaftlichen Karriere." Und Hartmann fand Gefallen an öffentlichen Ämtern, wurde Vorsitzender des Stadtjugendrings und kandidierte 1966 erstmals für den Stadtrat - mit Erfolg. "Welche Partei war nie eine Frage, ich war immer SPD-Anhänger", sagt Hartmann. "Ich weiß auch noch genau, wann ich SPD-Mitglied geworden bin: Das war am 1. Januar 1955."


Stolz auf Willy-Brandt-Medaille

Von 1966 bis 2002 und noch einmal von 2004 bis 2008 gehörte er dem Stadtrat an, von 1973 bis 1996 sogar als Fraktionsvorsitzender. Im Kreistag hat er sich von 1978 bis 2002 engagiert. Hartmann hat viele Auszeichnungen bekommen, darunter das Bundesverdienstkreuz, die goldene Bürgermedaille der Stadt und des Landkreises oder die silberne Ehrenmedaille des Bezirks. Doch vor allem auf eine Ehrung ist er stolz: auf die Willy-Brandt-Medaille in Gold, die er erst kürzlich erhalten hat.