Seit den 90er-Jahren kommt der schottische Musiker Kenny Speirs regelmäßig nach Deutschland. Anfangs war er Gitarrist des Sängers John Wright, später kam er mit seiner eigenen Band "Real Time". Nach mehreren Besetzungswechseln ist Kenny Speirs das letzte Gründungsmitglied, das noch dabei ist. Die aktuelle Besetzung der Folk-Band kann sich aber durchaus sehen - und vor allem hören - lassen. Mit dabei sind neben dem Sänger und Gitarristen Kenny Speirs der Keyboarder Tom Roseburgh, Gitarrist John Rafferty, Sängerin Eilidh Grant und in diesem Jahr zum ersten Mal Geigerin Carly Blain. Am Donnerstag spielten die fünf Schotten in Schäfers Weinscheune in Gleisenau, die an dem Abend gut besucht war.
Obwohl Speirs seit Jahren mit verschiedenen Bands in unterschiedlichen Besetzungen nach Deutschland kommt, beschränken sich seine Sprachkenntnisse im Deutschen auf wenige Worte. "Aber unser Englisch ist auch schlecht", erklärte er dem Publikum - in Anspielung auf den schottischen Dialekt.
Über das neueste Bandmitglied Carly Blain berichtete er, sie sei noch vor einer Woche in Saudi-Arabien gewesen, um dort ein Konzert in der britischen Botschaft zu geben. "Auf dieser Tour hat sie aber sicher mehr Spaß", meinte er, schließlich müsse sie hier keine Burka tragen und könne Alkohol trinken.
Im Zusammenhang mit dem Thema Alkohol berichteten die Musiker außerdem, sie hätten kürzlich einen deutschen Whisky probiert und fanden ihn "pretty good". Eindruck auf sie hatte auch ein Besuch in Treppendorf beim Musikhaus Thomann gemacht.
In Gleisenau spielten die schottischen Musiker viele Lieder von ihrer aktuellen CD "Shining Star". Ihr Repertoire reicht von traditionellen Liedern wie "The Parting Glass" oder "Red is the Rose" über die Musik heutiger Songschreiber wie Randy Newman oder Bob Dylan bis hin zu eigenen Songs. Einen davon hatte Kenny Speirs für die 2013 an Krebs verstorbene frühere Real-Time-Sängerin Judy Dinning geschrieben; ihr zu Ehren geht ein Teil der CD-Einnahmen an einen wohltätigen Zweck.
Die meisten heutigen Mitglieder der Band stammen aus den Borders, dem Teil Schottlands nahe der englischen Grenze. "Das ist der Teil Schottlands, der die Touristen meistens nicht interessiert", meinte Kenny Speirs. Dabei sei auch das eine durchaus schöne Gegend, die er in seinem Lied "My Borderland" besang. Sängerin Eilidh Grant, die als einziges Bandmitglied nicht aus dieser Gegend stammt, besang dagegen ihre Heimatstadt Glasgow in einem Lied von Billy Connolly. Ebenfalls zum Programm in Gleisenau gehörte der Folk-Klassiker "Queen of Argyll" von der Band "Silly Wizard".
Als spontane Einlage, die ursprünglich nicht auf der Setlist gestanden hatte, spielte Carly Blain das schnelle Tanzstück "Marie's Wedding" auf der Fiddle, wozu sie von Gastmusiker Helmut Appel begleitet wurde, der mit Löffeln den Takt schlug; Carly Blains Bandkollege Kenny Speirs tanzte dazu mit einer Freundin. Nach großem Applaus spielten Real Time zwei Zugaben, beide aus der Feder des schottischen Songschreibers Dougie MacLean, dessen Lied "Caledonia" in Schottland mittlerweile als eine Art inoffizielle Nationalhymne gilt.
Auf ihrer Tour hat die Band noch einen zweiten Auftritt in der Region, und zwar am Montag, 7. März, in der "Disharmonie" in Schweinfurt.