von unserer Mitarbeiterin Gabi Arnold

Coburg — Die Arbeitsgruppe "Häusliche Gewalt" möchte speziell Mediziner für das Thema "Gewalt gegen Frauen" sensibilisieren. Deshalb wurde - passenderweise am gestrigen internationalen Tag "Keine Gewalt gegen Frauen" - eine gemeinsame Aktion mit Coburger Ärzten gestartet. Susanne Müller und Nora Treiber-Dengler übergaben sogenannte Kitteltaschenkarten an die Mediziner. Die Karten enthalten Informationen und Hilfsangebote und sollen unter den niedergelassenen Ärzte verbreitet werden.
"Wir wenden nun konkret an die Ärzte", erklärte Susanne Müller. Dies mit gutem Grund, denn bevor die Übergriffe auf Frauen erkannt werden, wurden sie laut Statistik im Durchschnitt sieben Mal in der Notaufnahme behandelt. Jeder dritte Frau, so Susanne Müller, habe zudem irgendwann Gewalterfahrungen erlebt. Wie brisant das Thema ist, habe jüngst auch ein Informationsstand des Arbeitskreises in der Fußgängerzone gezeigt. "Wir waren überrascht, wie viele Frauen von Gewalterfahrungen berichten", sagte Nora Treiber-Dengler. Vor allen auch ältere Frauen hätten sich demnach für das Thema interessiert.
Mit der kleinen Info-Karte in der Arztkitteltasche soll das Thema häusliche Gewalt gegen Frauen jetzt noch stärker in das Bewusstsein der Ärzte gerückt werden. Sollte ein Verdacht auf gewalttätigen Übergriff bestehen, kann der Arzt auf die Karte zugreifen. Diese enthält beispielsweise wichtige Tipps für die Gesprächsführung im Verdachtsfall, zur Befunderhebung, zur Dokumentation sowie Hilfsangebote für die betroffenen Frauen, unter anderem auch Telefonnummern.

Scham verursacht Hemmschwelle

Susanne Müller weiß, dass bei den Frauen oft auch aus Scham eine große Hemmschwelle besteht, bevor sie sich überhaupt Hilfe zu holen. Deswegen erachtetet es Hermann Zoche, der Chefarzt der Gynäkologie am Klinikum Coburg, als "um so wichtiger, die Hilfsangebote möglichst niederschwellig anzusetzen". Zoche verwies gestern in einem Gespräch zudem auf die rechtliche Situation: Ärzte unterliegen ja der Schweigepflicht. Dies unterstrich auch der niedergelassene Kardiologe Helmut Keller: "Das Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Arzt muss unbedingt gewahrt bleiben." Deshalb sei es wichtig und gut, dass der Arzt Beratungsstellen kenne, an die er die Frauen verweisen kann.
Gerd Kleinlein, der Oberarzt der Notaufnahme am Klinikum, berichtete, dass man in der Unfallchirurgie zwar nicht so häufig mit Fällen von häuslicher Gewalt konfrontiert werde. Aber: "Vereinzelt haben Assistenzärzte durchaus den Verdacht."