"Die Frauen tun mir leid, denn die meisten medizinischen Studien wurden in der Vergangenheit fast nur an Männern durchgeführt." Das erklärte Dr. Stefan Hochreuther bei einem Referat im Bürgertreff "Sternstübla" in Oberaurach unter dem Motto "Frauenherzen schlagen anders - Männerherzen auch". Dabei legte der Chefarzt der Inneren Abteilung am Haus Haßfurt der Haßberg-Kliniken einen Schwerpunkt auf die Entstehung von Herzerkrankungen - und auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
Und diese Unterschiede seien teils massiv, deshalb müsse die so genannte "Gender-Medizin" dringend aufholen, so der Internist. Wie so oft bei den Unterschieden zwischen den Geschlechtern spielten auch die Hormone eine wichtige Rolle. Mit der Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, wechselten sich Frauen und Männer demnach regelrecht ab. Während bei Männern das Herzinfarktrisiko unter 60 am höchsten sei, hätten Frauen offenbar bis zum Eintritt der Wechseljahre einen gewissen hormonellen Schutz. "Dann holen sie aber ganz schnell auf. Und Frauen sterben öfter am ersten Herzinfarkt, weil er nicht als solcher erkannt wird", sagte er.
Die klassischen Symptome des Herzinfarkts wie Luftnot, Stechen in der Brust und Schmerzen im linken Arm seien inzwischen weitgehend Allgemeinwissen. Frauen jedoch haben Hochreuther zufolge oft eher vegetative Beschwerden: Schmerzen im Bauch, im Rücken, Übelkeit. Sie sähen das undramatisch und gingen nicht zum Arzt. "Aber eines gilt auf jeden Fall: bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort den Notarzt rufen", betonte Hochreuther.
Operativ könne man am Herzen und den Gefäßen mittlerweile viel machen, doch bei den Medikamenten habe sich lange Zeit nicht viel getan, "während es in der Onkologie enorme Neuentwicklungen gab". Seit Januar sei jedoch ein neues Medikament auf dem Markt, "von dem wir uns erhoffen, dass das der Durchbruch für viele Patienten ist".
Damit es gar nicht so weit kommt, könne der Patient einiges tun, auch wenn manche Faktoren erblich bedingt sind. Wenn auch das "Risikoalter" und die Symptome bei Männern und Frauen unterschiedlich sind, die Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung seien für beide gleich - und zu 80 bis 90 Prozent hängen sie Hochreuther zufolge mit dem Lebensstil jedes Einzelnen zusammen.


Der innere Schweinehund

Jeder wisse eigentlich, dass er weniger Fett und Zucker essen, sich mehr bewegen, weniger oder gar nicht rauchen und nur maßvoll Alkohol trinken sollte. "Aber niemand kann ständig gegen den inneren Schweinehund gewinnen", blieb der Internist realistisch. Deshalb plädierte er dafür, sich hin und wieder eine "Sünde" zu gönnen und ganz bewusst zu schlemmen, ansonsten aber die Empfehlungen der Ärzte einzuhalten. Vor allem Diabetes zu vermeiden sei eine wichtige Vorbeugung, "und Altersdiabetes ist definitiv heilbar durch Ernährung, Bewegung und Gewichtsreduktion", sagte Hochreuther. Er warnte vor zuckrigen Getränken und ähnlichem: "Gummibärchen könnten Sie sich eigentlich auch gleich spritzen", zwinkerte er.
Das Herzinfarktrisiko erhöhe sich bei Frauen, die rauchen und die Antibabypille nehmen, um das Vierfache. Diabetes erhöhe das männliche Risiko um das Vier-, das weibliche um das Sechsfache.
"Ich will Ihnen die Freude am Leben nicht verderben", erklärte der Internist, doch Lebensqualität hänge ja nicht nur mit Essen, sondern auch mit der Gesundheit zusammen, sagte er.