Sand — Die Gemeinde Sand war die letzte von elf Gemeinden im Landkreis, die am Dienstagabend darüber entschied, ob sie die Müllentsorgung an den Landkreis Haßberge rücküber-trägt oder weiterhin selbst organisiert. Nach zweistündiger Diskussion fällte der Gemeinderat ein fast einstimmiges Votum. Bei einer Gegenstimme (Antonie Bergmann) beschloss das Gremium, die Müllentsorgung in eigener Regie zu behalten. Damit sind es jetzt noch sechs Kommunen im Landkreis, die die Abfallentsorgung in eigener Hand haben.


Kosten steigen auf jeden Fall

Der Hintergrund ist der, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises ab dem kommenden Jahr die Müllgebühren kräftig erhöhen muss, weil die Kosten für diese Aufgabe steigen. Das trifft alle 26 Städte und Gemeinden im Landkreis, egal ob sie rückübertragen oder nicht. Der Landkreis nahm die Erhöhung zum Anlass, die elf Gemeinden, die bisher nicht wie die anderen 16 Kommunen die Müllentsorgung an den Landkreis rückübertragen haben, mit ins Boot zu holen. Fünf Kommunen taten dies, sechs (mit Sand) dagegen nicht.
Wilfried Neubauer, der Leiter des Kreis-Abfallwirtschaftsbe-triebs, stand am Dienstagabend im Sander Gemeinderat Rede und Antwort und nannte als Hauptgrund eine einheitliche Gebührenregelung für alle Bürger im Landkreis als Ziel dieses Bemühens. In der Vergangenheit gingen die Gebühren von Gemeinde zu Gemeinde teilweise weit auseinander. Ein Zustand, den Neubauer nicht für richtig hält. Warum sollten die Bürger in der einen Gemeinde wesentlich mehr als die Bürger in einer anderen Gemeinde für die gleiche Aufgabe bezahlen?, fragte er.
Sand folgte dem Wunsch des Landkreises allerdings nicht, obwohl der Landkreis die Müllentsorgung billiger anbietet als die Gemeinde. Der Landkreis wird die Jahresgebühr ab 2016 von 115 auf 135 Euro bei zweiwöchentlicher Leerung der 60-Liter-Tonnen erhöhen. Die Gemeinde Sand würde die Gebühren von 114 auf 150 Euro anheben. Verlangt also 15 Euro mehr von den Bürgern im Jahr.


Sander Beweggründe

Vor allem zwei Punkte waren es, die die Sander dazu bewegten, die Müllentsorgung weiterhin selbst zu organisieren. Das erste Argument: Wenn einmal rückübertragen ist, gibt es kein Zurück mehr. Das zweite Argument ist die Grüngut-Entsorgung, die in Sand anders geregelt ist, als sie der Landkreis ermöglichen würde. Sand verlangt für die Grüngut-Annahme im Wertstoffhof eine kleine Gebühr, nimmt aber neun Mal im Jahr (vier Mal im Frühjahr und fünf Mal im Herbst) auch große Mengen an Grüngut bei eigens angesetzten Sammlungen kostenlos an. Eine Praxis, die sich nach Meinung der Gemeinderäte bewährt hat und die auch die Mehrkosten von 15 Euro im Jahr rechtfertigt.
Der Landkreis würde kleine Mengen Grüngut im Wertstoffhof kostenfrei und ganzjährig annehmen. Die Extra-Sammlungen gäbe es jedoch nicht. Große Mengen müssten Bürger in das Kreisabfallzentrum nach Wonfurt oder auf die private Bio müllanlage in Mariaburghausen bringen - und dafür auch bezahlen.
"Grünschnitt ist in Sand ein Thema", machte der Zweite Bürgermeister Gerhard Zösch (CSU) deutlich. "Wir würden Einfluss verlieren", wenn Sand rückübertrage, sagte Dritter Bürgermeister Paul Hümmer (SPD). "Zwei Herzen schlagen in meiner Brust", bekannte der Gemeinderat Klaus Ullrich (CSU/Freie Sander Wähler), der sich dann doch für die Eigenständigkeit aussprach, weil die Sander Form der Grüngut-Entsorgung nach seiner Meinung letztlich die bessere und auch billigere Lösung sei. "Gravierend ist die Heckenaktion in Sand", schloss sich Bürgermeister Bernhard Ruß an. "Wir machen's noch mal die vier Jahre", und Sand schaue dann, wie's weitergeht. 2019, zu Beginn der nächsten Kalkulationsperiode, könnten die verbliebenen sechs Gemeinde wieder rückübertragen, wenn sie das wollen. ks